Interview Rückblick, Fazit und das Thema Ängste (Kolumne von Alice)

Kolumne: Alice, selbstständige Sidepreneurin

Alice ist gerade startende Sidepreneurin und lässt uns in ihrer regelmäßig erscheinenden Kolumne an ihren Gedanken, Freuden, Ängsten und Entscheidungen teilhaben. Sie möchte anderen, noch zweifelnden, Sidepreneuren genau diese Zweifel nehmen und zeigen, dass wir alle ähnliche Herausforderungen auf der Sidepreneur-Achterbahn meistern müssen und werden.

[mks_separator style=”solid” height=”3″]

Das Interview mit Michael ist inzwischen knapp 2,5 Wochen her – Zeit für einen kleinen Rückblick und vor allem ein Fazit.

Ein Gespräch dieser Art, in Coachingform mit zugehörigem Interview, habe ich zum ersten Mal in meinem Leben geführt. Es fiel mir auch eine ganze Weile schwer zu glauben, dass mein kleiner Pitch (Hey Michael, ich habe eine Idee für eine Anfängerserie, könnte ich einmal im Monat einen Gastartikel über meinen Weg bei dir veröffentlichen?) zu dem Projekt geführt hat, das wir nun angehen. Trotzdem sind wir hier, was bedeutet, dass mein erstes Learning bereits vor der ganzen Sache stattfand: Versuche es einfach!

Ich hatte zuvor gelesen, dass er Gastartikel sucht und wusste aus der Lektüre vieler Blogartikel zum Thema, dass mir Gastartikel helfen könnten, meine Reichweite zu erhöhen. Nur wie an einen Gastartikel rankommen? Der Gedanke der mir bei meiner Überlegung durch den Kopf schoss, war nicht sonderlich ermutigend: “Ich kann ja noch gar nichts, worüber ich schreiben könnte.”

Trotzdem wollte ich diesen Schritt endlich gehen und Gastartikel anbieten. Ich sponn den Gedanken also weiter und habe schließlich einfach das angeboten, was ich jetzt kann und bin: Nichts und eine Anfängerin. Denn ich kann immer noch andere Leute, Anfänger wie mich, an meiner Reise teilhaben lassen, um ihnen all die Fragen zu beantworten, die sich mir stellen. Die wir uns alle irgendwann stellen oder mal gestellt haben. Mit diesem Hintergedanken schrieb ich Michael an und habe es einfach probiert.

Merke: Irgendetwas kannst du immer tun oder anbieten. Aber das kann nur klappen, wenn du es auch anbietest.

 

Wie habe ich das Gespräch empfunden?

Zu Beginn des Gesprächs war ich sehr nervös. Das hat sich in dem kleinen Vorgespräch zum Interview zwar etwas gelegt, ist aber nicht wirklich verschwunden. Schließlich habe ich das zum ersten Mal gemacht und hatte immer das Wissen im Hinterkopf, dass fremde Menschen im Internet hören was ich sage. Naturbedingt ist das auch Sinn und Zweck eines Podcasts, eine Überwindung ist es aber dennoch. Dabei bin ich privat eigentlich gar nicht schüchtern. Mit Schüchternheit an sich hat das Ganze also nicht viel zu tun. Es ist eher das Neue, das Unbekannte das uns Angst macht.

Alles in allem hat mir das Gespräch aber dabei geholfen, einen Schritt nach vorn zu machen. Ich habe erste Aufgaben/Fragen bekommen die mich vorwärts bringen, viele weitere Ideen, sowohl im Gespräch als auch im Anschluss, gehabt/ notiert und etwas Entscheidendes über Ängste und Zweifel gelernt: Das Sockeldenken.

 

Learning: Sockeldenken

Ich nenne es “Sockeldenken”, weil wir dazu neigen, fremde Personen auf einen Sockel zu stellen. Damit stehen sie über uns und wir nehmen uns selbst die Möglichkeit, diese Personen anzusprechen. Als Beispiel möchte ich Daniel aus der Sidepreneur-Community anführen. Er hat das getan, was ich jetzt auch ausprobieren möchte. Er betreibt Klamotten unter einer eigenen Marke, in einem Onlineshop. Was er noch getan hat? Sich nach seinem Artikel für Michael in der Sidepreneur-Community auf Facebook für unsere Fragen zur Verfügung gestellt. Die Chance habe ich genutzt, um selbst eine Frage zu stellen, die er ausführlich und freundlich beantwortet hat.

Damit ist er selbst vom Sockel herunter gestiegen und hat gezeigt, dass man ihn durchaus ansprechen kann. Und was habe ich gemacht? Ich habe ihn direkt danach brav wieder auf den Sockel zurück gestellt. Als ich ein wenig später nämlich noch einmal darüber nachdachte, war ich erneut der Meinung, dass ich ihn nicht ansprechen kann um Fragen zu stellen. Nicht solange ich noch an meiner jetzigen Anfängerposition stehe. Schließlich will ich ja niemanden „nerven“.

Erst als Michael im Interview erwähnte, dass Daniel genau wie ich mit keinerlei Kenntnissen angefangen hat und trotzdem dahin gekommen ist wo er jetzt ist, fing der Sockel an zu bröckeln. Plötzlich war er wieder ein normaler Mensch, dem ich durchaus eine Frage stellen kann, wenn ich eine zur Hand habe. Weil er nicht einer Modedynastie entstammt, die ihm den goldenen Erfolgslöffel in den Mund gelegt hat, sondern ein ganz normaler Kerl ist. Der eine Idee hatte und sich daran versuchte. Also einfach nur das getan hat, was ich jetzt auch vorhabe. Was uns unterscheidet? Er hat früher angefangen und ist jetzt schon weiter. Mehr nicht. Keine dubiosen magischen Kräfte, keine Sockel. Inzwischen bin ich sogar weiter und weiß: Selbst wenn eine Modedynastie dahinter stehen würde, Fragen stellen kann ich immer. Im schlimmsten Fall erhalte ich eben keine Antwort.

Was dich von anderen unterscheidet, die jetzt schon das erreicht haben was du noch erreichen möchtest? Genau dasselbe. Sie haben früher angefangen. That`s it.

Mit dem Bild, das wir selbst von anderen schaffen, stehen wir uns oft selbst im Weg. Das Problem dabei ist, dass wir nicht nur eine andere Person aufgrund ihrer Erfolge aufwerten, sondern dass wir uns selbst gleichzeitig abwerten.

 

Ich hab doch nichts zu bieten.

Das ist die erste, fast reflexartige Empfindung, die man als Anfänger hat, wenn man sich einer Gruppe anschließen möchte, die schon weiter ist. Doch betrachten wir diese Angst einmal genauer. Du weißt was du kannst. Theoretisch. Besser weißt du aber, was du nicht kannst.
Im Zweifelsfall ist das: Alles. Eine Gruppe von Nebenselbstständigen oder – noch schlimmer – Selbstständigen beeindruckt dich. Und zwar so sehr, dass es dich abschreckt.

“Das sind erfolgreiche Geschäftsleute.”

“Die stehen teilweise in der Öffentlichkeit.”

“Warum sollten die sich für MICH interessieren? Ich bin doch nur… niemand.”

Du stehst am Anfang, “die” tun das nicht. Soweit ist das korrekt. Aber das war es dann auch schon. Denn auch “die” standen mal am Anfang. Niemand von “denen” ist mit beruflichem Erfolg auf diese Welt gepurzelt.

 

Woher kommt diese Haltung?

Sie ist uns anerzogen worden. Spätestens wenn du ins Arbeitsleben eintrittst, wirst du auf folgenden Grundsatz geprägt: Vorleistung.
Du musst Leistung bringen (gute Noten/einen guten Abschluss erwerben, Bewerbungen schreiben, die Firma von dir überzeugen etc.), um überhaupt erst eine Ausbildung oder einen Job zu erhalten. Und du musst Leistung erbringen, um dein Gehalt am Monatsende zu bekommen. Manche mehr, manche weniger, aber spätestens wenn du einen Job hast, der auf Provisionen gestützt ist, musst du richtig ranklotzen.

Die Aussage: Du bekommst nichts umsonst oder ohne Gegenleistung. Denn du bist nur ein kleines Licht, dass seinen Wert zuerst beweisen muss, bevor es an das Bonbon kommt.

Und mit diesem eingeimpften “Wissen” stehst du nun vor “denen”.
Denen, die schon Ahnung haben, die teilweise schon ein eigenes Business haben und denen du daher nichts bieten kannst. Weil dein Wissensstand (auf diesem Gebiet) nicht dem ihren entspricht. Kein Wunder, dass du da zum Karnickel mutierst und dich lieber wieder in deinem Bau vergräbst, anstatt auf das Rudel Jäger zu zu hoppeln und deine Fragen zu stellen.

 

Wie kann ich dagegen angehen?

Du musst dich trauen. Anders geht es nicht. Niemand wird kommen und es dir abnehmen. In diesem Fall musst du dich gegen deine Ängste durchsetzen und es einfach mal ausprobieren. Das ist ein unangenehmes Gefühl und es ist absolut ungewohnt und seltsam, jemanden auf deine Stufe herunter zu holen, den du vorher auf einen Sockel gestellt hast. Dass es in unserer Welt Stars und Sternchen gibt, prägt die allgemeine Meinung nur noch, dass einige Menschen wichtiger oder wertvoller sind und das du in den meisten Fällen nicht dazu gehörst.

Aber höre diesen Leuten mal genau zu. Viele von ihnen erzählen immer wieder, nur ein “normaler Mensch” zu sein. Und das nicht aus PR-Gründen. Sondern weil sie es sind. Sie alle schlafen, sie alle haben dieselben 24 Stunden, sie haben alle Fehler gemacht, mussten lernen, sind gescheitert und wieder aufgestanden. Sie werden verlassen oder abgewiesen und haben manchmal genauso bescheidene Tage wie wir alle.

Es ist also völlig egal ob du schon einiges geleistet hast, oder ob du noch ganz am Anfang stehst, bereit, loszulegen. Du bist nicht weniger wert und du hast mehr zu bieten, als du jetzt vielleicht glaubst. Zurückgeben kannst du später. Jetzt stell erst mal deine Fragen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

You May Also Like