SP162 – Fit bleiben als Sidepreneur – Interview mit Kerstin Goldstein von Livefit-anywhere

Herzlich Willkommen zu einer neuen Episode des Sidepreneur-Podcasts, in der wir uns heute dem Thema Fitness widmen.

Zeit einplanen für körperliche Fitness?

Juliane: Ich weiß nicht, wie es dir da draußen geht. Wenn du bereits Sidepreneur bist, dann hast du schon den Spagat zwischen deinem Hauptjob und deinem Side-Business. Wir haben alle 24 Stunden am Tag. Ich kann mir vorstellen, dass es schwierig für dich ist, dich regelmäßig zu bewegen oder Sport zu treiben, wenn du Vollzeit angestellt bist und jeden Tag noch 2 Stunden für dein Side-Business nutzt, um es aufzubauen.

Ich frage mich gerade, muss ich denn Zeit einplanen, um Fitness zu betreiben? Um körperlich fit zu bleiben?

Je fitter der Körper, desto fitter der Geist

Kerstin: Ja, du hast es gerade schon sehr interessant gesagt. Wir haben alle 24 Stunden pro Tag zur Verfügung. Was ich mit diesen 24 Stunden mache, ist natürlich mir selbst überlassen. Ein großer Teil dieser Zeit geht für die Arbeit und für unser Business drauf. Man sollte natürlich auch bedenken, je fitter mein Körper ist, desto fitter ist auch mein Geist.

Wenn ich müde von meinem Hauptjob bin und mich abends noch 2 Stunden hinsetze, um an meinem Side-Business zu arbeiten, dann habe ich keinen klaren Kopf mehr oder fühle mich ausgelaugt. Ausgelaugt von dem, was ich schon 8 oder 9 Stunden tagsüber gemacht habe. Dann bin ich auch nicht so produktiv in meinem Side-Job.

Auch du solltest Sport treiben

Juliane: Ihr habt euch vielleicht gefragt, wer die Stimme war, die gerade losgelegt hat. Man könnte fast meinen, dass es ein Engelchen auf meiner Schulter ist, das mir sagt „Juliane, auch du solltest Sport treiben.“ Denn ich bin tatsächlich jemand, der für das Thema Fitness nicht unbedingt die beste Person ist, um Menschen zu motivieren und zu sagen „Hey, du solltest Sport treiben“. Deshalb habe ich mir heute Unterstützung in den Podcast geholt. Sie zeigt dir, wie wichtig es ist, dass du dir auch in der wenigen Freizeit, die du vielleicht hast, die Zeit nimmst, um körperlich fit zu bleiben.

Kerstins Business „Livefit anywhere“

Ich habe Fitness-Coach Kerstin Goldstein eingeladen. Ihr Business heißt „Livefit anywhere“. Ich möchte dich, liebe Kerstin, erst einmal bitten, dich unserer Hörer- und Leserschaft vorzustellen.

Kerstin: Vielen Dank für die Einladung erstmal. Ich arbeite seit mittlerweile über 20 Jahren im Fitnessbereich in unterschiedlichen Funktionen und Positionen. Ich habe schon einige Leute wie dich kennengelernt und mit ihnen arbeiten dürfen. Sie haben auch gesagt „Nee, also für Sport habe ich keine Zeit. Und eigentlich habe ich auch keine Lust. Irgendwie mag ich auch gar nicht und sehe da auch keinen Sinn dahinter“.

Sport für Sidepreneure und Entrepreneure mit wenig Zeit

Wir schauen mal, ob ich dich und die Zuhörerinnen und Zuhörer heute ein bisschen davon überzeugen kann, dass Sport gerade wenn wir als Sidepreneur oder Entrepreneur arbeiten, sehr, sehr wichtig ist. Es gehört aus meiner Sicht mit in den Tag dazu, egal in welcher Form. Ich freue mich, dass ich Tipps geben darf. Wie ich gesagt habe, bin ich in Dubai und arbeite ein bisschen zweigleisig. Mal arbeite ich als Online-Fitness-Coach mit deutschsprachigen Menschen, egal wo die auf der Welt sind. Zum anderen bin ich seit kurzem Personal Trainer in Dubai.

Wie verschaffe ich mir Zeit?

Juliane: Ich überlege mir gerade: Man arbeitet 8 Stunden im Hauptjob und hat eine Stunde Fahrtweg hin und zurück nach Hause und weil das Side-Business ja auch ins Rollen kommen soll, widmet man diesem am Abend auch noch einmal 2 Stunden. Dann hat man noch Kinder, eine Familie, einen Haushalt & Co. Sag mir doch einmal, wie kann ich mir da Zeit verschaffen?

Jede Minute Sport bringt dir was

Kerstin: Da gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten. Ich finde, das erste was wir mal bedenken sollen ist, dass wir oft eine falsche Vorstellung von Sport haben. Wir haben oft im Hinterkopf „Sport muss immer mindestens 1 Stunde sein, sonst bringt das nichts“.

Ich finde, das ist total falsch. Jede Minute, die du Sport machst, bringt dir was. Bringt dir einen Ausgleich für deinen Job. Wenn du es schaffst, ein paarmal in der Woche zumindest 10 oder 15 Minuten was zu tun, dann hast du dir schon was Gutes getan.

Weniger ist mehr

Das heißt jetzt natürlich nicht, dass du mit einer kurzen Sporteinheit dreimal in der Woche super viel abnimmst, wenn dass das Ziel sein sollte. Aber es ist in Sachen Gesundheit besser als gar nichts. Ich habe immer dieses Motto „Weniger ist mehr“. Lieber ein bisschen was tun und das regelmäßig, als sich vorzunehmen, wenn ich Sport mache, dann brauche ich eine Stunde. Die kann ich mir nie aus einem Alltag rausschälen.

Regelmäßig

Lieber ein bisschen was tun und dafür regelmäßig. Das ist besser, als alle 3 Wochen 1 Stunde und dann gleich Vollgas geben. Ich gebe sehr gerne den Tipp, wenn ich am Abend keine Zeit mehr habe und müde bin oder 1000 andere Sachen sind, dass man einfach mal schaut, ob man diese Viertelstunde nicht morgens machen kann.

Frisch in den Tag starten

Da kommt natürlich wieder das Argument „Das Bett ist so kuschelig, da bleibe ich gerne liegen“. Aber das ist alles eine Übungsfrage. Wenn ich mir einfach den Wecker 15 Minuten früher stelle, dann kann ich wunderbar ein paar Übungen machen und starte auch gleich viel frischer in den Tag.

Die Erfahrung habe ich schon sehr oft gemacht mit Leuten. Sie starten mit mehr Elan in den Tag und sind tagsüber auch fitter im Kopf.

Ist Gehen schon Sport?

Juliane: Bei mir ist es z.B. so, dass ich morgens meine Kinder zu Fuß zur Schule begleite. Ich habe sogar einen Fitnesstracker. Es sind 3.500 Schritte, die ich hin und zurückgehe. Ist das schon Sport? Habe ich dann etwas für meine Fitness getan?

Kerstin: Ich würde sagen, du hast was für deine Gesundheit getan. Mit Kindern zu gehen ist nicht unbedingt das schnellste Tempo, sondern das ist eher das Tempo wie ich durch den Supermarkt laufe. Sehr gemütlich und man muss öfter mal anhalten. Aber natürlich hast du für deinen Körper etwas getan.

Zappeln – Im Alltag sich bewegen

Für mich fällt das immer unter diesen Begriff. Ich sage gerne „man zappelt“. Man sollte so viel zappeln im Alltag, wie man kann. Das heißt jetzt nicht, dass man unruhig auf dem Stuhl hin und her wackelt. Sondern, dass man so viel Bewegung wie möglich in den Alltag mit einbaut und da gehören natürlich diese 3500 Schritte absolut dazu.

Genauso wie ich die Treppe nach oben gehe anstatt die Rolltreppe zu nehmen. Oder ich laufe zur Kollegin im Nachbarzimmer und sag ihr was, anstatt ihr 20 mal am Tag eine E-Mail zu schreiben. Unter diesem Begriff „Zappeln – Im Alltag sich bewegen“. Das macht natürlich auf lange Sicht gesehen einen Unterschied, auf alle Fälle.

Juliane: Das zählt dann für meine Gesundheit, aber nicht unbedingt für meine Fitness. Sollte ich anders aktiv werden?

Bewusst etwas tun
mit einem gewissen Tempo

Kerstin: Richtig, es ist einfach nicht intensiv genug. Würdest du die gleiche Strecke aktiv ohne die Kinder mit Tempo gehen oder vielleicht sogar Joggen wäre das eine andere Sache. Du würdest etwas bewusst tun.

Du brauchst also ein gewisses Tempo. Das Herz muss ein bisschen anfangen zu schlagen. Und alles was mit Kindern ist, die irgendwo mal stehen bleiben, zählt jetzt nicht unbedingt als Fitness.

Juliane: Welche konkreten Tipps kannst du uns geben, wenn wir viel beschäftigt sind und wenig Zeit haben?

80 Prozent sind schon genug

Kerstin: Es gibt ja auch im Business, viele kennen das vielleicht, diese 80/20 Regel. Mit 80 % des Einsatzes bekommt man oft 100. Man muss nicht immer 100 % Gas geben.

Genauso ist es auch im Sport. Du musst dich nicht zu 100 % auf den Sport fokussieren. Du musst dich nicht 100 % auf die gute Ernährung fokussieren. Wenn du das mit 80 % tust, dann reicht das auch.

Bewegung in den Alltag einbauen

Einfach ein bisschen schauen: Was kannst du in den Alltag einbauen? Wo kannst du dir Zeit nehmen, wenn es kleine Einheiten sind?

Jede kleine Bewegung, die du tust, macht den Unterschied. Wo kannst du aufstehen zum Telefonieren? Wo kannst du beim Telefonieren ein wenig durch das Zimmer gehen, anstatt nur zu sitzen. Solche kleinen Sachen, die machen langfristig gesehen den Unterschied.

Juliane: Das ist dann konkret erst einmal nur dieser Gesundheitsansatz und nicht der Fitnessansatz?

Trotz Job und Side-Business Zeit für deine Fitness finden

Kerstin: Wenn du wirklich fit werden möchtest und zu den Leuten gehörst, die wenig Zeit haben, dann such‘ dir am Anfang ein paar Fitness-Videos von YouTube. Oder überlege, ob du aus der Vergangenheit irgendwelche Übungen kennst und mach die regelmäßig bei dir zuhause im Wohnzimmer. Das wäre z. B. ein zeitsparender Ansatz, dass du nirgendwo hinfahren musst. Du kannst es einfach zuhause machen und brauchst nicht unbedingt Geräte dafür. Du kannst natürlich auch in den Park gehen, wenn du irgendwo wohnst, wo ein schöner Park in der Gegend ist. Draußen im Freien ist es wunderbar zum Sporteln.

Ich denke, wichtig ist, dass du keine halbe Stunde Fahrtzeit hast. Dann ist die Überwindung, wo hinzugehen nochmal größer. Das macht man in der Regel nicht, wenn man eh schon viel um die Ohren hat.

Die erste Frage ist: Warum will ich Sport machen?

Juliane: Wenn ich was tue, was mich kein Geld kostet und was ich zuhause machen kann, wenn da auch niemand ist, mit dem ich verabredet bin – dann ist vielleicht der innere Schweinehund da, der sagt „Auf der Couch ist es auch schön“.

Kerstin: Das ist absolut richtig. Wenn du alleine was machen möchtest ist das für viele Leute gerade am Anfang schwer. Wenn du noch nicht so diese innere Überzeugung von „Sport tut mir gut und ich muss das machen“ hast.

Ich fange gerne so an, dass ich mir mit neuen Kunden erst einmal überlege bzw. die müssen sich selbst überlegen, warum will ich denn eigentlich was tun. Das ist immer der Startpunkt. Was ist für mich der Grund, warum ich von meinem Sofa aufstehen möchte und auf meine Sportmatte wandere?

Wenn du dafür keine plausible Antwort hast, sondern einfach nur sagst „Ja, es ist vielleicht ganz gut“, „Ich sollte/müsste mal etwas machen“, das reicht nicht, um dich wirklich vom Sofa hochzubringen.

Das Warum ist am Anfang ganz wichtig

Du musst wirklich ein bisschen Zeit investieren und dir überlegen, warum willst du Sport machen. Was ist der Grund dahinter? Das muss ein so starkes Warum sein, dass du auch an den Tagen, wo du müde bist und wo das Sofa attraktiv ist und wo du sagst „Ich hab wirklich keine Lust mehr was zu tun“, dass du dann aufstehst und zumindest ein paar Sachen machst.

Das Warum am Anfang ist ganz wichtig. Wenn du das für dich nicht definiert hast, dann wird es, zumindest wenn du alleine unterwegs bist, beim Sport sehr schwierig sein, langfristig dranzubleiben.

Den Schritt zum Wunschzustand schaffen

Juliane: Was für Kunden hast du? Bei mir ist es tatsächlich so, ich brauche keinen Sport machen, um schlank zu werden. Ich habe Glück, dass ich schlank bin. Es wäre für mich kein Antreiber „Ich möchte gerne 10 Kilo abnehmen“ oder „Ich möchte eine sportlichere Figur haben“.

Ich frage mich manchmal „Wie wäre es, wenn ich regelmäßig jeden Tag ausreichend Wasser trinken würde“? Ich trinke definitiv zu wenig. Aber ich komme gar nicht an diesen Punkt zu merken, dass ich mich frischer fühlen würde oder vielleicht meine Haut besser ist oder ich agiler bin. Weil ich mich, Gott sei Dank, so gut fühle oder keine körperlichen Beeinträchtigungen habe, so dass ich diesen Wunschzustand zu 100 % haben möchte oder haben muss.

Das „Was noch?“ ist das Warum

Kerstin: Dieser Wunsch Abnehmen oder alles was mit Gewicht zu tun hat ist für mich persönlich kein Grund, warum jemand Sport macht oder machen sollte. Wenn ein neuer Klient zu mir kommt und sagt „Ich möchte eigentlich nur abnehmen“. Dann sag ich immer „Okay und was noch?“, weil dieses „Was noch“ ist dieses Warum. Abnehmen ist kein Grund, der dich vom Sofa hochlockt.

Da muss etwas anderes dahinter sein. Ich lege jetzt einfach mal Worte in deinen Mund. Das könnte für dich z. B. sein „Ich möchte fit genug sein, um mit meinen Kindern mithalten zu können, wenn sie älter werden. Die haben viel Energie, ich möchte mit denen rumtollen und mithalten können. Springen, Purzelbäume machen, eben alles was die so machen ohne, dass die Racker mich am Ende des Tages völlig fertig auf dem Sofa finden“. Das ist bei Eltern oft der Grund.

Oder es könnte fürs Business sein, dass man sagt „Ich möchte einfach mehr Energie haben. Ich spüre, dass ich am Ende des Tages ausgelaugt und müde bin.“

Wacher und produktiver sein

Wenn ich zum Beispiel mittags ein paar Übungen mache, mich dehne und stretche, dann fühle ich mich einfach wacher und produktiver. Ich merke, dass ich mir etwas Gutes getan habe und mich und meinen Körper wieder ein bisschen gepushed habe, sodass ich am Nachmittag und Abend anders und kreativer denken kann.

Ich denke, solche Sachen sind einfach wichtig, die man sich auch mal vor Augen halten sollte.

Juliane: Jetzt ist es ja in Angestelltenjobs oftmals eher schwierig, am Mittag eine Sporteinheit zu machen. Für uns Selbstständige und auch Sidepreneure ist es durchaus eine gute Möglichkeit, eben nicht nur die Morgen- oder Abendstunden zu nutzen. Sondern wie du sagst, um den Nachmittag noch kreativer zu verbringen und produktiver zu sein, am Mittag eine kurze Sporteinheit einzulegen.

Sporteinheiten nicht nur für Sidepreneure

Kerstin: Auch für einen Angestellten ist das machbar. Die Frage ist nur, wie wir vorhin schon gesagt haben, was ist Sport? Es hilft ja auch im Angestelltenverhältnis, wenn ich mich einfach ein bisschen strecke und recke und ein paar Dehnübungen auf meinem Stuhl mache. Da brauche ich weder andere Kleidung noch irgendwie Platz dazu. Ich bleibe einfach auf meinem Stuhl sitzen und mache ein paar Stretching-Übungen. Ich habe auch schon ein paar Videos* dazu aufgenommen.

Stretching-Übungen im Büro

Ich versuche mich einfach zu lockern, nachdem ich ein paar Stunden gesessen bin. Das lässt sich auch wunderbar im Großraumbüro umsetzen. Die Kollegen werden am Anfang vielleicht ein bisschen komisch schauen, was ich mache. Aber im Idealfall inspiriere ich die noch und dann sind es 2 bis 3 Kollegen mittags um 12 Uhr, die ihre Stretching-Übungen machen bevor sie in die Kantine gehen.

Juliane: Da hält einen vielleicht, das ist nur eine Mutmaßung, dieser Glaubenssatz ab „Ach, was denken die Anderen, wenn ich jetzt anfange im Büro die Übungen zu machen?“ Dabei sind sicher einige dabei, die sagen „Hey, coole Sache. Da mache ich mit. Gut, dass mal jemand damit anfängt.“

Gesunde Mitarbeiter sind im Interesse der Unternehmen

Kerstin: Ich könnte z.B. zum Chef hingehen und sagen „Darf ich das offiziell anbieten? Mittags um 12 Uhr fünf Minuten bevor wir in die Mittagspause gehen mit den Kollegen ein paar Stretchingübungen machen? Ist das ok?“. Ich denke, jedes Unternehmen heutzutage ist daran interessiert, dass die Mitarbeiter produktiver und gesünder sind und nicht ständig ausfallen wegen Rückenschmerzen & Co..

Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass solche Sachen unterstützt werden. Wenn ich der Chef bin, dann habe ich ja auch eine Vorbildfunktion für meine Mitarbeiter. Also nicht nur für meine Kinder, Familie und Partner sondern auch für meine Mitarbeiter. Und ich finde, wenn ich als Chef derjenige bin, der einfach nur durchackert und nicht auf mich und meinen Körper achte, dann bin ich ein schlechtes Vorbild für die Leute, die für mein Unternehmen arbeiten. Ich sollte dann wirklich gezielt einen Anstoß geben und sagen „Ok, lass uns mittags 5 Minuten zusammen stretchen“.

Fit werden für Freizeit und Familie

Juliane: Ich hatte dich ja vorhin nach deinen Kunden gefragt. Mit welchen Warums kommen die Kunden zu dir? Oder welche Warums stellen sich heraus?

Kerstin: Es ist ganz unterschiedlich. Sehr viele Leute kommen am Anfang mit diesem Abnehmen-Gedanken. Wie ich bereits sagte, bohre ich dann ein wenig nach, um den wirklichen Grund zu finden. Dann ist es oft tatsächlich so, dass die Leute fit werden wollen für ihre Freizeit. Sie sagen z.B., dass sie gerne am Wochenende in die Berge zum Wandern wollen und fühlen sich immer so wie ein verrostetes Ofenrohr, wenn sie die Berge hochgehen. Da möchten sie sich einfach anders fühlen. Das sind oft die Gründe oder auch dass man für die Kinder, wie ich vorhin schon sagte, ein Vorbild sein und mit ihnen mithalten möchte.

Es geht auch ohne Fitnessstudio und Geräte

Solche Leute kommen sehr oft zu mir. Ich hab derzeit niemanden, der gerne ins Fitnessstudio geht. Alle Leute, mit denen ich arbeite sind Fitnessstudiomuffel. Aber sie wollen trotzdem was für sich tun und fitter werden. Da gibt es natürlich viele Möglichkeiten. Ich muss nicht unbedingt an die Geräte und mit 30 anderen schwitzenden Leuten in einem Raum sein.

Juliane: Welches Alter haben sie ungefähr?

Kerstin: Tendenziell ab 30 bis etwa 50. Also nicht die ganz jungen und die nicht ganz alten. Klassische Leute, die vielleicht auch einfach noch ein Business starten wollen oder aus dem Angestelltenverhältnis heraus sagen, das kann jetzt noch nicht alles gewesen sein. Ich möchte noch mehr haben im Leben und ein zweites Business starten.

Wie Kerstin von „Livefit anywhere“ mit ihren Kunden arbeitet

Juliane: Kannst du uns ein bisschen erzählen, wie du mit deinen Kunden arbeitest? Wir haben am Anfang gesagt, dein Unternehmen heißt „Livefit anywhere“. Du sagtest auch, dass du überall Kunden hast, nicht nur auf Dubai oder Deutschland fokussiert bist. Wie arbeitest du mit deinen Kunden?

Kerstin: Ich habe aktuell zwei Businesses.

Personal Training Session via Kamera

In meinem Online-Business arbeite ich mit deutschsprachigen Menschen, vorrangig mit Frauen, die auf der ganzen Welt verstreut sein können. Natürlich kommen die meisten irgendwo aus Deutschland. Wir arbeiten ganz unterschiedlich, z.B. mit klassischen Personal Training Sessions. Dabei stellt die Kundin ihren Laptop bei sich zuhause im Wohnzimmer auf und ich meinen bei mir in Dubai. Wir sehen uns über die Kamera und trainieren dann live zusammen. Quasi wie eine Personal Training Session.

Individueller Trainingsplan

Es kann aber auch sein, dass ich für manche Kunden nur einen Trainingsplan erstelle. Der ist dann individuell. Das wäre jetzt für die Person, die keine ständige 1:1-Betreuung braucht, aber trotzdem wissen möchte, was sie sich Gutes tun kann und dabei nicht nur ein YouTube-Video haben möchte.

Wenn ich vielleicht Rückenschmerzen habe oder ich gesundheitlich einiges beachten muss, dann brauchst du individuelle Übungen. Hierfür erstelle ich dann Trainingspläne. Wir gehen diese auch zusammen live via Laptopkamera durch, also so, dass wir uns auch sehen und ich die Kundin sofort korrigieren kann.

Coaching in Richtung Healthy Lifestyle

Es gibt auch die Variante, dass ich mit den Leuten Coaching mache, was in Richtung Healthy Lifestyle geht. Wie kann ich einen gesunden Lebensstil in meinen Alltag integrieren? Wie kann ich es schaffen, Sport und eine gesunde Ernährung zumindest in 80 % der Zeit in meinen Alltag zu integrieren?

Das funktioniert alles über Kamera und Internet. Das Einzige, was wir beide brauchen ist eine stabile Internetverbindung.

Juliane: Wie lange dauert deine Beratung? Zum Beispiel, wenn du einen individuellen Trainingsplan erstellst für eine Kundin – entlässt du sie dann und ihr macht nach ein paar Wochen einen Check Up: Was hat die Person umgesetzt oder ist das der Person überlassen, ob sie den nutzt oder nicht?

Für wen ist ein Trainingsplan geeignet?

Kerstin: Einen Trainingsplan zu erstellen ist wirklich die kürzeste Zusammenarbeit. Im Prinzip ist das für jemanden geeignet, der sich selbst motivieren kann. Wenn ich für jemanden wie dich einen Trainingsplan erstelle und du sagst ja von dir selbst, du bist nicht so die Sportskanone, dann weiß ich jetzt schon, dass du den dreimal machst und dann nicht mehr. Für jemand wie dich wäre ein Trainingsplan vergeudete Mühe. Das funktioniert erst im zweiten Schritt.

Committment, wenn ich ein Sportmuffel bin

Da ist es wirklich besser, man macht Termine aus für ein 1:1-Training, wo wir uns über Kamera sehen. Vor kurzem hat mir eine Kundin gesagt, mit der ich seit 3 Jahren zusammenarbeite „Kerstin, ich mache das nur für dich. Ich mache nur wegen dir Sport. Ansonsten würde ich zuhause nichts tun.“ Aber wenn wir uns treffen, wir machen Personal Training zweimal die Woche, sie ist immer da. Sie committed sich, hat auch viel um die Ohren, arbeitet lang, ist in einer Führungsposition. Sie ist da und dann macht sie ihren Sport. Und wenn sie nicht kommt, dann weiß ich, jetzt ist was faul. Dann ist sie krank.

Das heißt man braucht oft dieses Committment, einen Termin, gerade wenn ich ein Sportmuffel bin und mich nicht selbst motivieren kann.

Sport-Session via Internet

Juliane: Wie ist das mit dieser Session vor der Kamera? Ich stell es mir ein bisschen befremdlich vor, obwohl ich es gewohnt bin, online zu arbeiten. Gibt es erst einmal Berührungsängste? Kommt sich der Kunde/die Kundin komisch vor? Muss man sich eingrooven, weil man eben nicht in einem Raum ist?

Kerstin: Man muss schon ein bisschen Internet-affin sein. Aber ich behaupte mal, viele Menschen heutzutage sind das ja. Dass wir keine Scheu mehr haben, vor einer Kamera zu stehen, zu liegen und mit jemand Anderen am Ende der Welt zu sprechen. Das ist natürlich die Voraussetzung.

Für mich ist es gar nicht komisch. Es ist genau das gleiche als wenn ich die Person direkt vor mir hätte, aber es ist natürlich nicht für jeden etwas. Es setzt von meiner Seite auch voraus, dass die Person nicht unbedingt 300 gesundheitliche Einschränkungen hat. Online Personal Training kann man nicht mit jedem machen. In diesem Fall müsste ich dann wirklich vor Ort sein, wenn die Person größere Einschränkungen hat und auch mal mit den Händen korrigieren. Für jemand, der grundsätzlich gesund ist und vielleicht ein bisschen Rücken- oder Knie-Zwicken hat ist online Training jedoch perfekt.

Ein Laptop macht’s möglich

Ich spare Zeit, weil ich nirgendwo hingehen muss. Ich kann das im Wohnzimmer zuhause machen oder auch im Hotel. Wenn ich jemand bin, der oft unterwegs ist… z. B. eine Reise zum Kunden und ich bin eine Woche unterwegs, „wo mache ich dann Sport?“. Gibt es Möglichkeiten im Hotel? Kann ich mich motivieren? Einen Laptop hat man immer dabei, kann ihn aufschlagen und dann mit mir Sport machen.

Fitness-Programm zum Reinschnuppern

Juliane: Klasse. Nun kann sich das vielleicht nicht jeder unbedingt leisten, dich 1:1 zweimal die Woche zu buchen und auch deine Zeit ist ja begrenzt. Hast du noch andere Angebote, um es einer breiteren Masse zugänglich zu machen?

Kerstin: Ich habe immer wieder mal Gratissachen. Also kürzere Fitnessprogramme zum Reinschnuppern für irgendwelche speziellen Zielgruppen. Ich habe auch einen YouTube Kanal. Dort sind kurze Videos drauf. Das ist dann alles ein bisschen „Ich muss mich selbst motivieren“.

Wenn man sagt, ich möchte mich nicht so langfristig committen ist natürlich die Sache mit dem Trainingsplan eine Möglichkeit. Ansonsten würde ich das Ganze umdrehen und fragen, „Kannst du es dir leisten, nicht mit jemandem zu arbeiten, wenn du ansonsten nichts tust?“ „Kann ich es mir erlauben, nicht mit einem Profi am Anfang zusammenzuarbeiten, der mir zeigt, wie es richtig geht und wie ich trainieren kann, ohne dass ich mir gleich den Rücken dabei verletze oder zu viel/zu wenig mache. Das heißt ja nicht, dass wir 3 Jahre lang zusammenarbeiten müssen, sondern vielleicht nur ein paar Wochen. Dann weißt du genug. Alles was du wissen musst, um alleine weiterzumachen. Es muss nicht für eine ewig lange Zeit sein. Das kann auch begrenzt sein. Wünsche dir einen Gutschein zum Geburtstag, zu Weihnachten oder für einen sonstigen speziellen Anlass.

In die Gesundheit investieren

Ich denke mir einfach, wenn ich durch die Straßen laufe und wir kaufen so viel Schmarrn ein, das kostet oft viele hundert oder tausend Euro. Wir kaufen ein neues iPhone ohne mit der Wimper zu zucken. Aber für unsere Gesundheit geben wir immer wenig Geld aus. Von daher denke ich mir, die Aussage „Ich habe kein Geld für meine Gesundheit“ stimmt nicht. Die Frage ist nur, in was investiere ich.

Juliane: Das wäre tatsächlich auch das, was uns Deutschen oftmals vorgehalten wird, wenn wir im Ausland unterwegs sind und sehen, wie viel Lebensmittel kosten. Dass wir in Deutschland die Mentalität haben, es muss alles günstig sein. Dabei geht es alles 1:1 in unseren Körper. Wie du sagst geben wir sehr viel Geld für Technik usw. aus, aber mit unserem Körper gehen wir schlecht um und gönnen ihm keine guten Lebensmittel, Sport usw..

Schon in jungen Jahren um die Gesundheit kümmern

Kerstin: Da gebe ich dir vollkommen Recht. Vielleicht ein kleines Beispiel an der Stelle. Ich hatte lange Zeit in München ein eigenes Fitnessstudio, ein kleines schickes Damenstudio. Ich habe sehr viel mit Seniorinnen gearbeitet. Sie waren 60+ und gerade in Rente gekommen. Ich habe von vielen meiner Seniorinnen den Satz gehört „Hätte ich mich früher mehr um mich gekümmert, dann hätte ich jetzt nicht diese Rücken- oder Knieschmerzen, Übergewicht, Wehwehchen hier und da. Müsste keine Pillen nehmen bis an mein Lebensende. Hätte keine Herzprobleme, Bypass, sonstiges.

Was bin ich mir wert?

Im Endeffekt, es kräht keiner danach, wenn du älter wirst, ob du 20 neue iPhones hattest oder ein superschickes Auto fährst, was 100.000 € kostet. Das interessiert keinen Menschen. Aber wenn du 60, 70 oder 80 bist, dann willst du noch fit sein. Dann hast du vielleicht ein bisschen mehr Zeit, um wandern zu gehen, zu reisen, mit deinen Enkelkindern zu spielen. Wenn du dann Knie-, Rücken- oder sonstige Schmerzen hast, dann kannst du das einfach nicht mehr so gut.

Ich denke, das sollten wir uns immer vor Augen halten. Was bin ich mir eigentlich wert? Wofür investiere ich meine Zeit? Das ist alles eine Investition in deine Zukunft.

Juliane: Ja, tatsächlich. Du hast gesagt, du hast ein Online-Business. Hast aber auch gesagt, du fährst zweigleisig. Magst du über dein zweites Business auch noch ein bisschen was erzählen?

Side-Business in Dubai

Kerstin: Ich habe seit ein paar Wochen auch ein Side-Business in Dubai angemeldet. Es war gar nicht so leicht herauszufinden, wie das hier funktioniert. Ich arbeite jetzt auch als Personal Trainerin, das läuft jetzt langsam an. Es macht sehr viel Spaß, weil ich tatsächlich das Gegenteil wieder habe. Ich arbeite dann 1:1 mit der Person und bin direkt neben ihr, das ist für mich eine schöne Ergänzung zu den ganzen Onlinearbeiten mit meinen anderen Kundinnen. Mit unterschiedlichen Menschen zu arbeiten macht natürlich sehr viel Spaß. Ich arbeite hier auch mit Männern, was ich schon lange nicht mehr gemacht habe und es ist eine komplett andere Zielgruppe.

Neben der Arbeit mit den Kunden

Juliane: Wie organisierst du dich? Machst du z.B. 4 Tage die Woche die Onlinetrainings und 1 bis 2 Tage die Woche vor Ort? Oder mischt sich das momentan noch?

Kerstin: Das ist wirklich sehr gemischt. Ohne meinen Kalender kann ich zu meinen Terminen gar nichts sagen. Es kann sein, dass ich am Vormittag zwei Termine in Dubai habe und tagsüber am Business arbeite. Es ist ja nicht mit direkter Kundenarbeit getan. Es muss auch alles drum herum gemacht werden, von Blog, Podcast, Social Media Postings usw.. Das kennst du ja, es gehört irgendwie alles dazu.

Dann kann es sein, dass ich am Abend nochmal ein paar Einheiten hier in Dubai habe. Es ist sehr vermischt, je nachdem welche Kunden wann anfragen.

Alles eine Frage der Organisation

Juliane: Du hast erzählt, dass du weltweit agierst. Wie organisierst du dich mit den verschiedensten Zeitzonen? Du kannst ja nicht rund um die Uhr arbeiten und willst es mit Sicherheit auch nicht.

Kerstin: Nein, das geht natürlich nicht. Also Zeitverschiebung ist immer ein Faktor. Momentan kommt mir das zugute. Ich bin zwei Stunden vor Deutschland, das heißt wenn jemand in Deutschland um 6:30 Uhr morgens eine Session haben möchte, ist bei mir 8:30 Uhr. Auf der anderen Seite, wenn jemand in Deutschland um 20:00 Uhr eine Session haben möchte, dann ist bei mir 22:00 Uhr. Da muss ich dann Nein sagen. Das heißt, man ist auch limitiert. Ich rechne bei mir im Kalender immer sofort um und trage mir beide Zeiten in den Kalender ein, damit ich dann nicht durcheinander komme und weiß, welche Uhrzeit es beim Kunden und welche Uhrzeit es bei mir ist.

Aber das ist alles eine Frage der Organisation. Ich muss natürlich auch manchmal Nein sagen, wenn der Kunde einen Termin haben möchte, der einfach nicht mehr geht, weil es bei mir zu spät ist.

Vom Side-Business zum Haupt-Business

Juliane: Wie bist du denn auf deine Geschäftsidee gekommen Online-Fitnesstrainerin zu sein, Coachings anzubieten, Leute über die Kamera beim Sport zu begleiten? Wie war dein Werdegang?

Kerstin: Ich habe mittlerweile drei Businesses angemeldet im Laufe meines Lebens. Also dreimal Gewerbeanmeldung. Ich hatte ein Fitnessstudio in München, das Online-Business und jetzt das in Dubai. Ich habe mir das gestern als Vorbereitung auf unser Gespräch durch den Kopf gehen lassen. Alle drei haben mal als Side-Business gestartet. Ich hatte immer einen Hauptjob und das andere hat sich nebenbei entwickelt, bis es dann die Hauptgeschichte geworden ist.

Das Online-Business habe ich gestartet als ich noch mein Fitnessstudio hatte. Ich habe wirklich 24/7 gearbeitet. Oft 12-Stunden-Tage, oft 7 Tage die Woche. Ich hatte wirklich sehr wenig Zeit und wusste, dass es so nicht weitergeht. Ich kann nicht dauerhaft so viel Zeit in einem Business sein, das tut mir körperlich nicht gut und auch seelisch nicht. Dann habe ich gedacht „Okay, ich möchte eigentlich gerne wieder im Ausland leben und da kann ich kein Fitnessstudio in Deutschland haben. Die Kombination funktioniert nicht.“

Nebenbei entwickeln und nebenbei starten

Dann habe ich Stück für Stück überlegt, wie ich es schaffen kann, wieder im Ausland zu leben und dennoch mit Kunden zu arbeiten, ohne mich fest an einen Ort zu binden.

Es hat ein paar Jahre gedauert, bis ich dann tatsächlich den Cut gemacht habe und nur noch online unterwegs war. Ich habe das eigentlich nebenbei entwickelt. Das Fitnessstudio ist immer gelaufen, doch wenn ich freie Vormittage hatte, habe ich an Konzepten für mein Side-Business gearbeitet oder gelesen, wie andere das machen, wenn sie online arbeiten. Habe nach Techniken gesucht und recherchiert und graue Haare bekommen, weil die Webseite wieder nicht so gebaut werden konnte wie ich das wollte. Was halt so dazu gehört, wenn man was Neues startet. Irgendwann hat es dann geklappt. Ich habe mein Fitnessstudio verkauft und war nur noch online unterwegs und hatte ein neues Haupt-Business.

Jetzt ist es wieder genauso. Ich habe mein Haupt-Business online und starte nebenbei in Dubai. Also auch wieder an der Seite und schaue auch wieder, wie ich die beiden Sachen zeitmäßig mit allem verbinden und integrieren kann.

Live vor Ort vs. Online

Juliane: Du hattest anfangs gesagt, dass du es toll findest, neben deinen Online-Fitnesstrainings 1:1 mit den Menschen direkt neben dir zu arbeiten und gemerkt hast, dass du das gerne wieder haben möchtest. Das ist auch eine Beobachtung, die ich bei Vielen mache, die online arbeiten: Dass sie wieder ihre Kunden 1:1 treffen wollen und Konferenzen/Workshops machen, um diesen Kontakt Face to Face zu haben. Es ist ja auch wichtig, dass man nicht nur vor der Kamera sitzt und vor dem Bildschirm.

Kerstin: Ja, ich denke es fehlt einfach im Laufe der Zeit etwas. Ich könnte es mir nicht vorstellen, 100 % nur online zu arbeiten obwohl ich das jetzt eine ganze Zeit lang hatte. Aber wie du sagst, man merkt im Laufe der Zeit, dass es was anderes ist, wenn ich die Person direkt neben mir habe.

In meinem Fall kann ich mit den Kunden, mit denen ich live vor Ort in Dubai arbeite auch ganz andere Sachen machen, indem ich z. B. andere Trainingsgeräte mitbringen kann. Wenn ich online mit jemandem arbeite bin ich auf das angewiesen, was die Person hat an Geräten.

Für mich ist es auch eine Abwechslung, wenn ich mit jemandem einfach mal zum Strand gehen und da was tun kann oder einfach in den Park. Das kann ich natürlich mit der Person, mit der ich online arbeite nicht. Ich denke, so ist es bei vielen, egal in welcher Branche du bist. Du kannst, wenn du ein Seminar veranstaltest mit den Leuten auch andere Übungen machen, als wenn du sie online betreust.

Die Zeit selbst einteilen können

Juliane: Hast du jetzt auch das Ziel in Dubai ein eigenes Studio zu eröffnen? Oder möchtest du dabei bleiben, dass du dich mit Kunden triffst und zu ihnen gehst? Oder kommen die zu dir?

Kerstin: Beides. Ich gehe zu den Kunden und sie kommen auch zu mir. Das ist ganz unterschiedlich, aber definitiv kein eigenes Studio. Ich habe aus meiner Vergangenheit gelernt. Ich werde mich nie wieder an einen Ort binden, wo ich zu bestimmten Zeiten sein muss. Das habe ich gelernt, das passt nicht zu mir. Ich muss meine Zeit immer noch selbst einteilen können. Das ist für mich sehr wichtig. Abgesehen davon, gibt es auch zu viele Regularien, wie man hier so etwas eröffnet. Definitiv hier in dieser Stadt ein Nein und ich kann mir auch nicht vorstellen, noch einmal einen festen Standort für irgendwas zu haben, wo ich an Öffnungszeiten gebunden bin.

Wenn jemand ein Freigeist ist so wie ich und seine Zeit selbst einteilen möchte, dann muss ich mir sehr intensiv überlegen, ob ich wirklich ein Geschäft oder einen Laden eröffne, bei dem ich an Zeiten gebunden bin und wo ich auch hingehen muss, wenn ich mich nicht gut fühle, wenn ich Kopfschmerzen habe oder krank bin. All das muss man beim Start mitbedenken, egal in welcher Branche jemand arbeitet.

Viele Möglichkeiten, nebenberuflich zu starten

Juliane: Das ist ja das Schöne, was sich durch die Online-Welt ergeben hat: Dass es Geschäftsmodelle gibt, bei denen man nicht mehr daran gebunden ist, einen Laden aufzuschließen oder ins Büro zu gehen. Es ist egal, ob man es um 8:00 Uhr morgens, um 16:00 Uhr nachmittags oder 21:00 Uhr abends macht. Das ist das Wunderbare, was sich auch für nebenberuflich Selbstständige entwickelt hat, dass es so vielfältige Möglichkeiten gibt, nebenberuflich zu starten.

Kerstin: Natürlich. Das ist ganz perfekt. Ob ich meine Waren über das Internet nachts um 3:00 Uhr einstelle und die Webseite bearbeite oder nachmittags um 15:00 Uhr, das ist der Webseite im Endeffekt egal. Es muss nur irgendwann gemacht werden.

Auf den Körper hören

Da kann ich auch ein bisschen mehr auf meinen Körper hören. Wenn ich eher ein Morgenmensch bin, dann mache ich das vielleicht morgens vor meinem Hauptjob. Bin ich eher jemand, der abends ab 21:00 Uhr auf Touren kommt, dann mache ich das abends.

Juliane: Und das ist aber auch das, was man im Hauptjob so schlecht kann in den meisten Fällen. Ich dachte früher immer, dass ich Frühaufsteherin bin. Aber das stimmt überhaupt nicht. Das habe ich auch erst in meiner Selbstständigkeit festgestellt, dass ich es absolut nicht bin. Ich habe es jahrelang so praktiziert, weil es der Job vorgegeben hat oder die Familie in Rahmenbedingungen mit dem Hauptjob zusammen.

Unternehmer-Persönlichkeiten, die inspirieren

Welche Unternehmerpersönlichkeit hat dich in deiner Selbstständigkeit besonders inspiriert, begleitet oder begleitet dich noch? Welches Business-Buch sollte man mal zur Hand genommen haben als Sidepreneur?

Kerstin: Unternehmerpersönlichkeiten gibt es ganz viele, die mich inspiriert haben und auch noch inspirieren. Angefangen hat bei mir alles, dass ich überhaupt von Onlinebusiness Möglichkeiten erfahren habe vor vielen Jahren. Ich habe einen Kurs bei Marie Forleo gebucht. Sie ist vielleicht einigen, vor allem Frauen bekannt. Sie ist eine amerikanische Unternehmerin, die sehr stark im Bereich Onlinebusiness und „sich selbst als Persönlichkeit darstellen“ unterwegs ist.

Sie war eigentlich die erste, die mich darauf aufmerksam gemacht hat, „Hey, da ist ja irgendwas. Das kannst du online machen.“ Sie hat ein wöchentliches, sehr witziges YouTube-Format, in dem sie unternehmerische Challenges ein bisschen lustig darstellt. Ich schaue das sehr gerne als Inspiration. Sie würde ich als Unternehmerpersönlichkeit nennen.

Buch-Empfehlung „Coach dich selbst, sonst coacht dich keiner“ von Talane Miedaner

In Sachen Buch – ich bin gestern mal durch meine Buchsammlung durchgegangen, um ein Buch zu finden, was vielleicht noch nicht jeder gelesen hat. Ich denke, die meisten haben so Sachen wie „4 Stunden-Woche & Co*“ gelesen. Die habe ich natürlich auch, aber ich habe eins gefunden, dass nennt sich „Coach dich selbst, sonst coacht dich keiner*“. Das ist von Talane Miedaner.

Buch Coach dich selbst sonst coacht dich keiner

Ein schönes Buch, das kurze Kapitel hat. Es geht immer um Business, um sich selbst finden, um Dankbarkeit, um ganz unterschiedliche Sachen, die man in sein Business mit einbauen kann. Das habe ich interessanterweise schon dreimal gelesen und würde es jedem empfehlen, da mal reinzuschauen. Ist vielleicht ein Buch, das noch nicht jeder in seinem Regal stehen hat.

Juliane: Tatsächlich finde ich es immer wieder spannend, dass man Bücher mehrmals lesen kann und immer wieder neue Dinge rausnimmt, weil man sich schon wieder weiterentwickelt hat und andere Aspekte jetzt vielleicht wichtig sind. Welche, die vor 1 oder 2 Jahren noch nicht so signifikant waren.

Ein Buch ein zweites Mal lesen

Kerstin: Richtig. Ich habe mir auch vorgenommen, jetzt wieder meinen Bücherschrank durchzugehen. Wir kaufen ständig neue Bücher, dabei hat man noch so viele alte da, die auch ein zweites Mal gelesen werden können. Ich spreche jetzt nicht von irgendwelchen Romanen, sondern wirklich von Business- oder Coaching-Büchern.

Juliane: Ganz genau. So geht es mir z.B. mit dem Buch The Big Five for Life*. Das ist auch ein Buch, das oft genannt wird und auf den Bestsellerlisten schon ewig steht oder stand. Ich finde, auch wenn es belletristisch geschrieben ist, kann man eine ganze Menge mit rausnehmen.

BIGFIVE 1

Kerstin’s Appell zum Thema Fitness

Ich danke dir ganz herzlich für deinen Input zum Thema Fitness für Sidepreneure. Zum Abschluss möchte ich dir gerne noch mal die virtuelle Bühne überlassen, um ein Abschluss-Statement zu geben. Einen Aufruf an die Sidepreneure in Sachen Fitness. Du hast jetzt die Gelegenheit…

Starte mit einer Sache

Kerstin: Mein Appell an euch alle da draußen, die jetzt zuhören ist: Nimm dir in Sachen Sport oder gesunder Ernährung immer weniger vor als du eigentlich möchtest. Nimm dir nicht gleich 100 Sachen auf einmal vor, die du verändern möchtest, sondern starte mit einer Sache. Wenn du die gut hinbekommst, dann nimm eine zweite Sache dazu. Wenn du die zwei Sachen gut hinbekommst, dann nimm wieder was dazu.

Nicht zu viel vornehmen

Denn das ist der größte Fehler, den ich oft sehe, dass wir uns viel zu viel vornehmen. Eine große To-Do-Liste haben, auch für uns selbst. Wir wollen Sport machen, wollen 5 mal die Woche Laufen gehen, wir wollen jeden Tag 3 Liter Wasser trinken, wir wollen jeden Nachmittag einen Apfel und abends keine Kohlenhydrate mehr essen. Das sind 21 Dinge zu viel.

Hör auf deinen Körper

Weniger ist manchmal mehr und dafür machst du es langfristig. Hör auch auf deinen Körper, was der braucht. Dein Körper sagt dir ganz genau, was er haben möchte von dir, auch in Sachen Sport. Es muss nicht jeden Tag sein, selbst wenn du dir vorgenommen hast, Laufen zu gehen. Vielleicht ist dein Körper an dem Tag müde und es würde ihm viel besser tun, wenn du einfach zuhause auf deiner Matte bleibst und ein paar Minuten deinen Rücken dehnst. An anderen Tagen sagt dir dein Körper, ich habe so viel Energie, ich muss mich jetzt auspowern. Dann machst du irgendwas, wo du richtig schwitzt. Hör auf deinen Körper. Denn nur, wenn du das tust, bleibst du auch verletzungsfrei und hast langfristig Spaß.

Juliane: Ein wunderbarer Appell…

sich einfach gesünder und fitter zu fühlen!

Liebe Sidepreneure da draußen… Nehmt euch den Appell zu Herzen! Auch ich nehme ihn mir zu Herzen und schaue, wo ich hier und da besser für mich sorgen kann, dass es mir auch besser geht und ich dadurch kreativer unterwegs bin. Mich einfach gesünder und fitter fühle!

Wenn ihr Fragen, Anregungen und Tipps habt, meldet euch gerne. Entweder direkt unter dem Blogartikel bei uns zur Episode oder auch per E-Mail an info@sidepreneur.de

Wenn ihr Kerstin direkt kontaktieren möchtet, findet ihr hier die Links zu ihren Social Media Kanälen und ihrer Website, sodass ihr sie schnell wiederfindet im großen weiten Internet.

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Redaktion

Juliane Benad

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