SP149 Wie du Familie, Beruf und Ziele in Balance bringst! Interview mit Jörg Kundrath

Persönliches Coaching als Lösung, um Familie und Beruf zu vereinen?

Peter: Heute bin ich hier mit Jörg Kundrath. Er wird einigen von euch ein Begriff sein, gerade für die, die auf Amazon verkaufen und zwar als einer der Co-Founder von Kavaj. Hallo Jörg!

Jörg: Hallo lieber Peter! Freut mich, dabei sein zu dürfen!

Peter: Ja, mich freut es wirklich, dass wir die Zeit gefunden haben.  Bei dir gab es ein spannendes Ereignis, aber da gehen wir später noch einmal darauf ein.

Jörg, stellst du dich kurz vor und erzählst, wie du zum Unternehmertum gekommen bist?

 

Gründung von Kavaj mit dem besten Freund

Jörg: Danke Peter! Ich bin Jörg, bin 36 Jahre alt, und wie du schon gesagt hast, bin ich Gründer von Kavaj. Kavaj haben wir 2011 gegründet.

Vorher war ich zwei Jahre bei Amazon im Hauptsitz in München tätig. Daraus habe ich mit meinem besten Freund, den ich schon zu Studienzeiten kennenlernen durfte, Kavaj ins Leben gerufen.

 

Ein Traum wird wahr

Wie bin ich zum Unternehmertum gekommen? Kai und ich haben zusammen in Passau studiert. Wir beide hatten schon immer den Traum, etwas Eigenes zu machen. Wir haben schon damals in Passau, als wir zusammen studiert haben und Fußball gespielt haben, immer gedacht: Was könnten wir denn machen? Das Richtige und die zündende Idee hat uns aber gefehlt.

Wir sind dann beide zu Amazon gegangen. Das war jeweils unser erster Job nach dem Studium. Kai war ein halbes Jahr vor mir da. Dort haben wir dann weiter überlegt: Was kann man denn machen? Wir haben jede Kaffeepause dazu genutzt, verschiedene Sachen durchzuspielen. Dann kam natürlich noch dazu, dass wir auf Amazon gesehen haben, als Amazon den Marktplatz geöffnet hat für Dritthändler, was da passiert, wie erfolgreich die auch teilweise sind.

 

Es gab keine Hülle in Echtleder

Es gab zwei Punkte, die uns die Entscheidung auch relativ einfach gemacht haben. Zum einen kam damals das erste iPad raus, das ich dann hatte. Ich hatte mir das von einem Freund aus den USA mitbringen lassen, als es das noch gar nicht in Deutschland gab.

Als ich dann auf Amazon nach einer dünnen echt Leder Hülle gesucht habe und keine gefunden habe und bei den Produkten, die es schon gab, häufig den Wunsch gelesen habe: Hey, wir fänden eigentlich die Art von Hülle spannend aber in Echtleder. Aber das gab es eben nicht. Da haben wir gedacht: Okay, das könnte vielleicht die Idee sein.

 

Dank Amazon Fulfillment kein eigenes Lager notwendig

Der zweite Punkt war, dass genau zu der Zeit oder kurze Zeit später, Amazon das FBA-Programm hatte, sprich, den Versand durch Amazon eingeführt hat. Man hatte gar nicht mehr die Notwendigkeit gehabt, ein eigenes Lager haben zu müssen. Da dachten wir: Das könnte die Idee sein, lass’ uns das probieren! Genau, so sind wir zu Kavaj gekommen.

Peter: Total spannend! War dir das schon immer klar, auch schon vor dem Studium? Du hast ja gesagt, ihr habt immer überlegt, was könnt ihr zusammen machen, was könnt ihr zusammen auf die Beine stellen – war dir das schon immer klar, dass du ein eigenes Projekt starten möchtest oder hat sich das dann erst so mit der Zeit ergeben, dass dieser Antrieb sich entwickelt hat?

Flexibilität und Freiheit an oberster Stelle

Jörg: Ich glaube, das hat sich so manifestiert auch während der Zeit bei Amazon. Es war eine tolle Zeit bei Amazon, wir haben unheimlich viel gelernt, aber was wir beide auch gelernt haben, war, dass wir nicht dauerhaft im Angestelltenverhältnis sein und unternehmerisch arbeiten möchten. Allein auch der Tatsache geschuldet, dass, so frei und flexibel man auch bei Amazon sein konnte, gab es nicht die Möglichkeit des Home-Office, es gab mehr oder weniger Kernarbeitszeiten, es gab Ziele die erreicht werden müssen (Company-Ziele) und das hat uns beide in ein Korsett gedrückt, in das wir beide nicht hinein wollten.

Zumal wir immer den Wunsch hatten, über kurz oder lang wieder zurückzugehen zu unseren Wurzeln, also unsere Heimatstädte. Bei mir ist es Biberach, zwischen Ulm und dem Bodensee und bei Kai Rostock an der Ostsee. Wir hatten beide nicht vor, dauerhaft in der Großstadt zu leben.

 

Freie Zeiteinteilung dank eigenem Projekt

Von dem her haben wir letztendlich gesagt: Okay, das funktioniert vielleicht nur, wenn man ein eigenes Projekt auf die Beine stellt und ist dann total frei in seiner Zeit.

Wir sind begeisterte Ski- und Snowboardfahrer und wollte auch immer einmal Kitesurfen und wir hätten gerne einen Shop, der es uns ermöglicht, dann zu arbeiten, wenn wir Lust drauf haben aber dann auch Skifahren zu gehen, wenn die Sonne scheint bei Neuschnee.

Das geht natürlich bei den wenigsten Unternehmern, dass ich sage: Ich komme heute nicht, es hat heute Nacht geschneit, die Sonne scheint, ihr seht mich morgen oder übermorgen wieder. Von dem her war es für uns klar – und in der Zeit bei Amazon hat sich das manifestiert: Wir wollen was Eigenes machen. Das scheint am besten zu unserem Lebensmodell zu passen.

Den eigenen Arbeitsplatz schaffen

Es ging nie ums Geldverdienen, es ging mehr darum, unseren eigenen Arbeitsplatz zu erschaffen.

Peter: Das Leben nach dem eigenen Standard zu definieren, Freiheit zu haben?

Jörg: Absolut!

Peter: Es ist ein ganz spannender Ansatz. Es gibt sicherlich Gründer, die sagen, sie wollen jetzt das neueste große “Unicorn” gründen und bei euch war es eher der Ansatz zu sagen: Wir möchten jetzt diese Freiheit genießen, die das Unternehmertum mit sich bringen kann.

Jörg: Absolut! Also das “Unicorn” war nicht unser Bestreben. Unser Bestreben war vielmehr ein zu uns passendes Arbeitsmodell zu erschaffen.

 

Wie startet man FBA?

Peter: Jetzt ist Kavaj sehr erfolgreich geworden. Ihr hattet bei eurem Job bei Amazon festgestellt, dass es ein paar Trends gibt wie „Amazon-FBA“ oder auch gesehen, wie andere erfolgreiche Händler gearbeitet haben. So habt ihr eure Händlernische gefunden.  Welches war das größte Learning aus dieser Zeit? Was habt ihr mitgenommen, gerade zum Start? Was kann man tun, wenn man gerade am Anfang steht, bei Amazon etwas zu verkaufen?

Da reicht es heute nicht mehr, einfach nur in China etwas zu sourcen und es eins zu eins auf amazon.de zu stellen. Was würdest du den Leuten so mitgeben?

 

Nicht sofort kündigen

Jörg: Spannende Frage! Ich möchte nochmal auf unsere Anfangszeit zurückgehen. Wir haben nicht sofort, als wir die Idee hatten, gekündigt.

Was wir gemacht haben: Wir haben den ganzen Prozess, Sourcing in Asien, Import, die ganzen Steuerthemen und die Steuerung auf Amazon alles nebenher aufgesetzt.

Kai und ich haben uns jeden Morgen zwischen sechs und sieben getroffen, haben anderthalb Stunden dann für uns gearbeitet, dann bei Amazon den ganzen Tag durchgearbeitet und dann abends von halb sieben bis acht für unser Projekt anderthalb Stunden gearbeitet. Das haben wir relativ lang gemacht, vielleicht ein halbes Jahr.

 

Learnings durch Anfangsschwierigkeiten

Wir haben versucht viel selber zu machen, also Import selber zu machen ohne Spedition. Das war natürlich eine Katastrophe. Die Ware war dann irgendwo und wir hatten Schwierigkeiten mit dem Zoll. Als wir es  endlich geschafft hatten, waren wir noch weit von unserm Lieblingsprodukt entfernt. Es war eine ganz einfache Hülle, die uns zu Beginn relativ wenig gekostet hatte.

Als wir es geschafft hatten, diese unter dem Keyword auf Platz 1 in der Amazon Suche zu bringen war dann der Moment gekommen, alles auf eine Karte zu setzen. Wir haben uns gesagt: Okay, alles steht, der ganze Prozess, wir können jetzt relativ schnell importieren und wissen auch wie wir es verkaufen, wie es geht, wer unsere Fotos macht. Das haben wir alles durchgespielt. Dann haben wir gekündigt und sind nach China geflogen auf drei, vier Messen und haben Lieferanten gesucht.

Tipp: Startet nebenher

Mein erster Tipp wäre an alle draußen: Noch nicht All-In gehen, sondern bei einem bestehenden Arbeitsverhältnis versuchen, es nebenher aufzuziehen. Da fällt man nicht so tief und es gibt grundsätzlich keine Garantie, dass es funktioniert.

Auch wir haben auf unserem Weg immer mal Glück gehabt. Klar, man hat dafür gearbeitet, aber das Quäntchen Glück und der richtige Zeitpunkt gehören auch dazu.

 

So viele Tasks wie möglich outsourcen

Der zweite Tipp ist: Möglichst viele Sachen herausgeben und nicht glauben, dass man alles selber machen kann.

Thema Steuern, Thema Import, Zoll usw., das ist, glaube ich, jedem klar. Vor allem Tätigkeiten, die überhaupt keinen Spaß machen. Tätigkeiten, die zeitaufwendig sind und die aber nicht helfen, am Ende den Umsatz zu bringen, diese sollte man nach Möglichkeit möglichst früh abgeben.

 

Der Wettbewerb ist intensiver geworden

Jetzt zu deiner Frage bezüglich Amazon damals und heute. Ich glaube, das Verkaufen auf Amazon ist mit Sicherheit ein ganz anderes als es damals 2011, 2012 war, als wir angefangen haben.

Der Wettbewerb ist viel intensiver geworden. Damals hatten wir nur „Wettbewerb“ von den etablierten großen Marken. Teilweise sind die in unserem Bereich alle verschwunden oder haben sich zurückgezogen, weil so viele andere wie wir dazu gekommen sind aus Europa, aus USA aber vor allem auch aus Asien.

Der Wettbewerb ist immens. Das ist natürlich in jeder Kategorie auf Amazon unterschiedlich stark.

 

Heute braucht man mehr, um erfolgreich zu sein

Dazu kommt, dass man hat heutzutage viel mehr Möglichkeiten, seine Produkte zu bewerben. Sei es marketingseitig, sei es überhaupt um mehr Reichweite zu bekommen, das war früher natürlich viel einfacher, weil damals war man schon recht erfolgreich, wenn man sein Listing auf Amazon gut gemacht hat, sprich gute Fotos, gute Texte. Heute reicht das nicht mehr!

 

Mehr Durchhaltevermögen, mehr Kapital, mehr Marketing

Das Umfeld auf Amazon ist heute viel schwieriger. Was man heute braucht, ist viel Durchhaltevermögen, es ist mehr Kapital notwendig und es ist noch viel wichtiger, eine Marke zu bauen. Also sein Produkt nur noch in No-Name Produkten zu listen und zu hoffen, dass es funktioniert, das klappt nicht. Man hat da schon ein größeres Sammelsurium an Marketingaktivitäten im Spiel, wenn es mittel- und langfristig erfolgreich werden soll.

Peter: Vielen Dank schon mal für diese Tipps! Ich glaub, die helfen schon vielen weiter, weil wir auch immer noch feststellen, dass ganz viele Leute das Thema „Verkaufen auf Amazon“ und auch das Thema Amazon FBA spannend finden, aber ich glaube bis zu einem gewissen Grade naiv an die Sache herangehen. Es ist immer schön zu hören, wie ihr euch vorbereitet habt, wie ihr das Ganze durchdacht und getestet habt.

 

Es gibt nicht nur Amazon

Jörg: Kurz noch ein Punkt dazu: Wenn jetzt irgendwer da draußen sagt: OK, ich möchte jetzt nebenher noch etwas Neues starten, dann nicht so blind sein und nur an Amazon denken.

Ich glaube, es gibt wunderbare Möglichkeiten. Ich höre das jede Woche wieder von Fällen, von Produkten, die überhaupt nicht auf Amazon sind, sondern über einen eigenen Shop verkauft werden. Hierbei kann beispielsweise Anbieter wie Ecom-Professionals helfen. Das ist z.B. ein Anbieter, der baut einen Shopify-Shop relativ schnell, richtig gut und macht dann über Facebook und Instagram Marketing. Das bringt dann den Traffic direkt in seinen Shop und damit sind dann auch viele unheimlich erfolgreich.

Was ich damit sagen will ist, nicht nur so blind sein und nur an Amazon denken, weil jeder gerade die Welle reitet. Es gibt auch rechts und links noch super Ideen und manchmal ist es echt ganz gut, wenn alle nach rechts laufen, vielleicht noch einmal nach links zu schauen.

Peter: Mal gegen den Strom schwimmen und austesten.

Jörg: Genau, richtig!

Wie schafft man den Ausgleich?

Peter: Du hast gerade gesagt, ihr habt euch in der Vorbereitung darauf eingelassen, das Ganze neben eurem Angestelltenverhältnis zu testen, um so ein Proof of Concept zu haben.

In der Zeit war aber sicherlich auch, wie du schon beschrieben hast, der Workload bei Amazon schon sehr hoch und dann noch zusätzlich das Gründen nebenbei. Wie hast du es trotzdem noch geschafft, einen Ausgleich für dich herzustellen?

 

Einmal die Woche Fußball

Jörg: Ein Punkt war sicherlich Sport. Ich bin regelmäßig und konsequent, das hört sich jetzt nicht viel an, einmal die Woche zum Fußball gegangen. Wir hatten so ein Amazon-Fußball-Team, wo wir uns einmal die Woche getroffen haben und einfach in der Halle fünf gegen fünf oder sechs gegen sechs gespielt haben. Und zum anderen habe ich natürlich auch verzichtet. Ich bin nicht mehr so viel weggegangen, habe wirklich sehr reduziert und geschaut, wie ich mit meiner Zeit umgehe.

Ich bin in der glücklichen Lage, meine jetzige Frau schon 2001 kennengelernt zu haben. Sie ist den ganzen Weg mit mir gegangen zum Studium und dann auch noch bei Amazon. Ich habe mich mit ihr ausgetauscht: Hey, stehst du dahinter? Wie findest du das?

Und sie hat dann gemerkt, da passiert jetzt was, das ist für ihn jetzt wichtig. Ich habe immer zu ihr gesagt, darüber waren Kai und ich uns immer im Klaren: Wir wissen nicht, ob’s funktioniert, aber wir wissen, dass wir es bereuen würden, wenn wir es nicht versucht hätten.

 

Nur das Wichtigste

Von dem her haben wir in dem halben Jahr, was wir im Proof of Concept gemacht haben, wirklich reduziert, also geschaut, wir machen jetzt Amazon, wir machen unser Ding, wir gehen einmal die Woche Fußball spielen und sonst gibt es noch die Partnerschaft. Eben das Wichtigste! Alles andere fällt halt jetzt darunter, weil eben leider nicht alles geht. Da muss man halt ganz fokussiert und strukturiert an die Sache herangehen. Wir haben da auch keinen Tag ausfallen lassen.

Wir haben eben keine halben Sachen gemacht. Ich glaube, es war eine ganz klare Struktur, die wir da hatten, wir waren fokussiert und haben das ein oder andere nicht mehr gemacht. Wenn meine damalige Freundin, meine heutige Frau, damals heimgefahren ist zu ihrer Familie, bin ich mal auch in München geblieben und habe weiter gearbeitet.

 

Kontinuierlich Arbeiten

Peter: Also auch das Thema, die Kontinuität hineinzubringen, und immer bisschen zu arbeiten. Ich glaube, das ist ein ganz großes Thema, wenn man sagt, man überschätzt, was man so an einem Tag schafft, aber wenn man jeden Tag dranbleibt, dann unterschätzt man auch, was man in ein, zwei Stunden pro Tag schafft.

 

Ziele setzen, Schritte planen

Jörg: Absolut! Wichtig ist auch, sich einen gewissen Zeitraum zu nehmen, sich zu geben und sagen: Hey pass mal auf, ich nehme jetzt sechs Monate, bis dahin möchte ich das Ziel erreicht haben und das sind meine nächsten Schritte, die ich unternehmen muss. Dann kann ich es prüfen und nicht vorher aussteigen oder nach rechts und links gehen, sondern strukturiert dabei bleiben, dranbleiben. Wie du schon sagst, wenn es auch nur wenig ist, kontinuierlich dranbleiben.

 

Milestones und wöchentliche Ministones

Peter: Das kann ich übrigens absolut bestätigen, das machen wir bei Sidepreneur ja auch so.

Wir arbeiten mit großen Milestones im Jahr, haben dann aber auch wöchentliche „Ministones“, die wir abarbeiten wollen, damit wir immer wissen, ob wir uns auf dem richtigen Weg bewegen und ob wir einzelne Punkte abgearbeitet bekommen über das Jahr.

 

Wie ist die Mitarbeiterführung

Du hattest vorher angedeutet, dass es euch auch wichtig war, durch die gewonnene Freiheit, auch wieder in eure Heimatstädte zu ziehen. Das läuft ein bisschen auf dieses Thema „New Work“ mit ein, was jetzt ein großes Thema ist und auch so ein bisschen gehypt wird. Aber welche neuen Wege bestreitet ihr denn bei Kavaj konkret und was macht ihr in der Mitarbeiterführung anders als andere Firmen?

 

Volle Flexibilität und Verantwortung, Home-Office ohne Kernarbeitszeit

Jörg: Kai und mir war es von Anfang an wichtig, dass wir zeit- und ortsunabhängig arbeiten können, auch unseren Mitarbeitern wollten wir das bieten. Wir haben den Anfang gemacht. Es war 2012, als wir die ersten Mitarbeiter eingestellt haben und auch denen haben wir angeboten und gesagt: Pass mal auf, es ist völlig in Ordnung, wo du arbeitest und wann du arbeitest. Wir hatten nicht einmal eine Kernarbeitszeit.

Ich glaube, das ist schon das Erste, dass wir gesagt haben. Jeder kann von zu Hause aus arbeiten. Es war zu 100 %, es gibt keinen Office-Tag in der Woche. Wir haben von Anfang an gesagt, es gibt keine Kernarbeitszeiten. Man kann ja sagen Home-Office ist in Ordnung, aber ich möchte trotzdem, dass du erreichbar bist von 10:00 bis 17:00 Uhr. Darauf möchten wir auch verzichten, um den Mitarbeitern die volle Flexibilität und Verantwortung geben zu können.

 

Für Hobbys und für die Familie

Das hat verschiedene Gründe. Zum einen, das hab ich vorhin schon angesprochen, wenn einer gerne Ski fährt und surfen geht, dann soll er das gerne machen, wenn das Wetter passt, aber – und das ist ein ganz wichtiger Grund für uns gewesen – Kai und ich haben immer gesagt, wir wollen Familie und wir möchten dann arbeiten, wenn die Kinder schlafen oder außer Haus sind, je nachdem. Genauso aber auch mal nicht arbeiten, wenn das Kind beispielsweise krank ist oder die Frau krank ist und man sich um das Kind kümmern möchte. Das funktioniert halt nur, wenn ich volle Flexibilität uns und allen Mitarbeitern gebe, was auch die Zeit anbelangt.

Flexibilität erfordert höhere Planung

Sicherlich, das macht es schwierig, gerade bei der Terminfindung für Meetings usw. und erfordert eine höhere Planung oder Vorbereitung. Aber es motiviert einen selber oder auch das Team, um das wertzuschätzen, vielleicht auch mal am Samstag oder Sonntag zu arbeiten, wenn man Montag und Dienstag frei hatte.

Peter: Aber es erfordert auch eine komplette neue Art des Leaderships, weil man den Mitarbeitern die Verantwortung sozusagen überträgt. Es ist von euch ganz gezielt gewollt, dass Mitarbeiter die Verantwortung übernehmen und ihre Projekte, ihren Aufgabenbereich eigenverantwortlich übernehmen.

Wie habt ihr da euren Weg gefunden?

 

Cloudbasiert arbeiten

Jörg: Natürlich Schritt für Schritt. Da sind wir hineingewachsen. Wir haben von Anfang an möglichst cloudbasiert gearbeitet, sprich, unsere Dateien lagen alle auf Dropbox, unsere Wissensdatenbank ist Evernote. Wir kommunizieren beispielsweise über Zoom.

Ein richtiger Segen war am Ende Slack. Vorher lief viel Kommunikation über E-Mail, über Messenger und über WhatsApp. Slack hat es gebündelt, hat erstmals, relativ einfach, die Möglichkeit, die ganze Kommunikation zu durchsuchen, Anhänge und Screenshots mitzuschicken. Das war ein richtiger Segen. Das hat es viel, viel einfacher gemacht.

 

Vertrauenswürdige Experten – meine Mitarbeiter

Hier noch zwei Sachen zum Thema Verantwortung. Wir waren immer der Meinung oder sind der Meinung, dass jeder in seinem Bereich der Beste ist, der Experte, und wir selber sind es in den Bereichen nicht. Klar, am Anfang haben wir intensiv Kundenservice gemacht, Kai und ich, und wir machen es auch heute noch tageweise selber, einfach, um im Thema zu bleiben. Aber jetzt haben wir jemanden, der sich um den Kundenservice kümmert und der weiß einfach viel, viel besser, wie er mit den Kunden umgeht.

 

Mit Videokonferenzen Konflikte aus der Welt schaffen

Das Gleiche beim Thema Social Media oder SEO. Da sind wir nicht die Experten und da verlassen wir uns auf die Mitarbeiter und die können es dann natürlich viel besser als wir. Klar, gibt es immer wieder Schwierigkeiten, Stichwort Kommunikation.

Ich glaube, jeder kennt das auch im privaten Umfeld. Wenn jemand eine Chatnachricht schickt, egal ob per WhatsApp, per iMessage oder wie auch immer. Dann ist nicht hundertprozentig klar, wie der andere das aufnimmt. Nicht immer ist das, was der Sender dem anderen mitteilen will, das was der Empfänger aufnimmt. Da kann es natürlich auch zu Konflikten kommen, dass man sich missversteht. Wenn man es dann nicht schnell aus der Welt schafft, beispielsweise über eine Videokonferenz, kann es schon knirschen und krachen.

 

Social Media – veränderte Kommunikation

Peter: Ja, ich glaube, da kann man nur höchsten Respekt davor haben, wie ihr das aufgebaut habt. Wir stehen vor der gleichen Herausforderung. Unser Team sitzt komplett über Deutschland verteilt. Wir bemerken, wie die Art der Kommunikation sich verändert, als wenn man persönlich in einem Büro sitzt und sich auch ganz kurz etwas zurufen kann. Aber es ist auf jeden Fall total spannend.

 

Familienzuwachs bei den Kundraths

Lass‘ uns jetzt noch einmal ein bisschen auf deine persönlicher werden.

2014 war ein ganz besonderes Jahr für dich. Du bist das erste Mal Vater geworden. Im Vorgespräch hast du verraten, dass es dabei nicht geblieben ist. Du bist jetzt dreifacher Papa. Was haben diese schöne Ereignisse in deinem Leben verändert und hatten sie auch Auswirkungen auf dein Business?

Jörg: 2014 ist meine Tochter auf die Welt gekommen, 2015 mein erster Sohn und jetzt eben vor einem Monat mein zweiter Sohn. Ich bin jetzt dreifacher Papa. Das hat in den letzten fünf Jahren doch einiges verändert. Klar, ich habe es schon ganz am Anfang angesprochen, dass das Kavaj Mittel zum Zweck war. Sprich, ich möchte meinen eigenen Arbeitsplatz erschaffen, um unabhängig zu arbeiten, um später mal für die Familie da zu sein. Das war quasi der Anstoß.

 

Keine Vorbereitungskurse für Eltern

Aber in den letzten fünf Jahren seit 2014 habe ich gemerkt, okay, eigentlich wird das Elternsein überhaupt nicht vorbereitet und man wird es schon irgendwie meistern. Auf alles wird man vorbereitet, sage ich immer: durch Schule, Kindergarten, vielleicht Studium. Es gibt Training on the Job. Aber auf das Elternsein gar nicht. Schon gar nicht als Gründer, Geschäftsführer oder Führungskraft.

Was ich dann für mich erst einmal gemacht habe, war, dass ich gesagt habe, okay, jetzt bin ich Vater, aber ich bin auch Gründer und Geschäftsführer eines Unternehmens.

 

Familie und Beruf vereinbaren

Das sind zwei verdammt wichtige Bereiche für mich und die sind nicht immer ganz einfach in Einklang zu bringen. Stichwort Zeitmanagement oder Einstellung. Da gibt es ein paar Themen.

Ich habe mir in den letzten fünf Jahren die Frage gestellt, wie kann ich Höchstleistung bringen als Vater aber gleichzeitig auch als Unternehmer? Wie kann ich in beiden Bereichen mein Bestes geben und eine Struktur sowie Energie haben und am Ende des Tages Erfolg in beiden Bereichen?

 

Lösung: Persönliches Coaching

Deswegen habe ich mich für mich selber erst einmal weitergebildet. Ich habe mich coachen lassen. Ich habe unheimlich viele Seminare in der Hinsicht besucht, habe eine Mental Coaching Ausbildung gemacht. Das alles lasse ich in Kavaj einfließen, aber vor allem natürlich für mich in mein Selbstmanagement oder in der Familie.

 

Wissen über Vereinbarkeit von Familie und Beruf weitergeben

Das ist jetzt ein Punkt, womit ich nach außen gehe, weil ich in den letzten Jahren gemerkt habe, dass ganz, ganz viele Geschäftsführer, Unternehmer oder Gründer das als Herausforderung sehen.

Sobald das erste Kind da ist, ist es super schwierig beide Bereiche in Einklang zu bringen und in beiden Bereichen sein Bestes geben zu können. Deswegen möchte ich herausgehen und dieses Interview ist auch ein Teil davon. Ich möchte jetzt herausgehen und anderen helfen, genau das zu erreichen, sprich Familie und Business-Leben in Einklang zu bringen.

 

Familienorganisation – eine Herausforderung

Peter: Da kann ich dir aus eigener Erfahrung nur zustimmen. Wie du weißt, habe ich zwei Töchter. Nach dem ersten Kind war das schon eine Umstellung, klar. Wobei man da noch trotzdem vergleichsweise viel Zeit hatte, um alles zu regeln und aufzustellen, wie man es gebraucht hat.

Aber gerade, wenn man ein zweites Kind kriegt, dann wird doch schon Vieles zu einem gewissen Grade ein bisschen schwieriger. Dann ist es gar nicht mehr so leicht die beiden Lebensbereiche, also dem Business und dem Privaten, gerecht zu werden. Du hast gesagt, du hast scheinbar Lösungen gefunden, sonst würdest du ja jetzt nicht nach draußen gehen und Führungskräfte und Unternehmer beraten in dem Bereich.

Wie sieht dein Angebot genau aus? Kannst du uns ein bisschen abholen?

 

1 : 1 Beratung und Begleitung

Jörg: Aktuell ist es so, dass ich wirklich direkt persönlich eins zu eins mit den Klienten zusammenarbeite. Ich betreue und begleite sie. Möglicherweise über einen längeren Zeitraum, ein halbes Jahr, um das umzusetzen. Denn es ist nicht nur ein Hebel, den man umlegen muss und dann funktioniert das alles, sondern das ist schon eine Entwicklung, die man gehen muss.

Der zweite Schritt ist, denn ich merke, die Themenbereiche und die Herangehensweise sind immer ähnlich, das alles auf jeden Fall zu einem Online Kurs zu entwickeln, sodass das jeder selber von zu Hause aus machen kann und nicht mehr direkt auf mich angewiesen ist, sondern nur auf wöchentliche oder monatliche Calls mit mir zur Feinjustierung. Aber genau das ist der Punkt. Auf jeden Fall eine Begleitung über einen gewissen Zeitraum, weil es Veränderungen bedingt durch die Altersstruktur bei jedem Einzelnen um das Ziel zu erreichen.

 

Strukturen etablieren

Du hast es vorher angesprochen. Die Struktur. Ihr habt nicht nur Milestones, sondern auch Ministones. Solche Themen sind essenziell. Beispielsweise ganz, ganz viele haben Ziele im Business-Umfeld, aber überhaupt keine Ziele im privaten Bereich. Das ist quasi schon der Anfang in der Betreuung. Was sind eigentlich deine Ziele?

 

Fünf wichtige Lebensbereiche

Da schauen wir nicht nur das Business und das Privatleben an, sondern fünf Lebensbereiche, die eigentlich stimmen müssen. Zum einen muss man körperlich und geistig auf der Höhe sein. Persönlichkeit und Werte müssen stimmen. Beziehungen und Familie sind die dritte Säule. Beruf und Karriere sind die vierte Säule und Wohlstand und Spaß die fünfte Säule.

 

Betrachtung aus ganzheitlicher Sicht

Wir schauen uns wirklich ganzheitlich an, wo du stehst und entwickeln Ziele für alle Bereiche, sodass du überhaupt weißt, wo du hin navigieren musst.

Peter: Sozusagen, dass alles aufeinander einzahlen kann, für die eigene Persönlichkeit?

Du sagst, es ist ein längerfristiger Prozess. Das ist klar, es ist Persönlichkeitsentwicklung, nicht nur für sich selbst, sondern wahrscheinlich für die gesamte Familie. Aber hast du trotzdem vielleicht drei Tipps, drei Take-Aways, die du schon einmal mit auf den Weg geben könntest für Leute, die sich damit beschäftigen wollen und überhaupt erst einmal anfangen wollen, in die Richtung zu laufen das Ganze zu strukturieren.

 

1. Tipp: Klarheit über eigene Ziele

Jörg: Klar! Drei Tipps, wenn ich die geben darf, wären zum einen, das erste habe ich schon angesprochen, Klarheit. Jeder sollte sich fragen, was will ich eigentlich? Warum? Warum tue ich, was ich tue im Berufs- und im Privatleben?

Wie schon angekündigt. Viele haben gar keine Ziele im Privatleben, gar keiner hat Klarheit darüber, was mir Familie eigentlich bedeutet. Wie soll die Beziehung zu meiner Partnerin in 20 Jahren sein? Wie soll ich zu meinen Kindern sein? Möchte ich, dass ich in 20 Jahren ein enges Verhältnis zu meinen Kindern habe oder ist mir das eigentlich egal?

Da braucht jeder Klarheit. Wenn man keine Klarheit darüber hat und angenommen, man hat nur Ziele im Business-Bereich, dann wird es immer so sein, dass, wenn es mal Phasen gibt, wo es eng wird, die Business Seite dominiert. Da hat man ja ganz klare Ziele, da hat man ja was zu verlieren. Aber wenn man diese im privaten Bereich nicht hat, dann ist klar, dann dominiert der berufliche Teil. Sprich, man braucht Klarheit. Was will ich eigentlich? Dann ist ganz klar, welche Aufgaben nehme ich an, was ist mir wichtig, wann sage ich ja und wann sage ich nein.

 

2. Tipp: Passende Alltagsstruktur

Das zweite Thema ist die Alltagsstruktur. Wenn ich meine Ziele kenne, dann muss ich meinen Alltag so gestalten, dass er mir hilft die Ziele zu erreichen. Du hast es angesprochen. Statt mittelfristige Ziele zu haben, vielleicht Ministones, so hast du es genannt, Wochenziele zu haben in verschiedenen Lebensbereichen und diese umsetzen. Im Alltag die Frage stellen, okay, wie arbeite ich denn?
Wie gehe ich in den Tag und wie beende ich den Tag?

 

  • Bewusste und zielorientierte Morgenroutine

Wie sieht meine erste Stunde des Tages aus? Bringe ich mich da schon richtig in die Energie und in die Stimmung für den Tag? Also, habe ich eine Morgenroutine? Morgenroutine ist ein geläufiger Begriff. Jeder hat eine Morgenroutine, aber mehr und mehr Menschen haben eine bewusste und zielorientierte Morgenroutine.

  • Workday-Routine für mehr Energie

Was aber noch wenige haben, ist z.B. eine Routine, wie ich in den Arbeitstag starte. Wie sieht meine erste halbe Stunde aus, wenn ich in den Tag starte? Mache ich dann erst einmal E-Mails und gucke, was auf mich zukommt und überlege ich, oder weiß ich schon ganz klar, was ich heute erreichen will? Das ist das erste. Das ist eine Workday-Start-Routine.

Genauso aber auch, wie sieht das Ende meines Arbeitstages aus? Ich kann jedem empfehlen, macht euch eine Routine für die letzte halbe Stunde des Tages, also des Arbeitstages. Sprich, schaut beispielsweise noch einmal in die E-Mails, sodass die Inbox leer ist. Setzt euch drei wichtige Aufgaben für den nächsten Tag. Du weißt schon, worauf ich hinaus will. Also wirklich den Tag, den Arbeitstag, richtig gut abschließen, sodass ich morgen energiegeladen in den nächsten Tag starten kann.

 

  • Abendroutine für die Familie

Abschließend natürlich noch, wie soll das Familienleben abends aussehen? Also quasi eine Abendroutine für die Familie. Zum Beispiel wann nutze ich mein Handy? Nutze ich es gar nicht mehr? Wann bin ich erreichbar, wann nicht? Lese ich noch einmal was oder lese ich nichts? Sich wirklich Gedanken machen, wie sollte der ideale Tag ablaufen.

 

3. Tipp: Das richtige Mindset

Noch ein dritter Punkt. Als Erstes hatten wir Klarheit, als zweitens eine Alltagsstruktur und als drittes, was ganz wichtig ist das Thema Mindset.

Eine Sache z.B., die ich jedem mitgeben möchte, ist: Jeder kann sich einmal fragen, wie sieht jeder sein aktuelles Familienleben, sein Berufsleben. Wie fühlt er sich persönlich? Ist er glücklich oder nicht?

Schweifen die Gedanken eher darum, was will ich erreichen? Welches Umsatzziel will ich erreichen? Welche Karrierestufe möchte ich erreichen?

 

Nicht im Gefühl des Mangels leben

Oder denkt jeder daran, was war in der Vergangenheit alles besser? Welche falschen Entscheidungen hat man getroffen? Wenn man sich mit solchen Gedanken herumplagt, also wenn ich immer in die Zukunft oder in die Vergangenheit schaue, dann ist es häufig so, dass man im Mangel lebt. Man hat immer das Gefühl, es fehlt was im Leben. Es fehlt noch mehr Geld, es fehlt an Zeit oder es fehlt an mehr Anerkennung oder an irgendetwas.

 

Dankbarkeit hilft

Aber das verhindert quasi den Blick auf das, was man heute hat. Wenn das zusammengefasst wäre in einem Wort, wäre es das Thema Dankbarkeit. Jeder kann sich einfach einmal fragen, für was bin ich jetzt in meinem Leben gerade dankbar? Was macht mein Leben im Moment, Stand heute, so lebenswert? Erst einmal mit dem Status quo zufrieden sein, zu sagen, hey, ich bin so dankbar.

Ich lebe in Deutschland. Ich habe die Möglichkeit einen Podcast zu hören. Klar, ich habe meine Ziele um die kümmere ich mich dann auch, morgen beispielsweise. Aber jetzt bin ich dankbar, dass ich hier stehe und die Möglichkeit habe, frei zu gestalten, was ich arbeite, wann ich arbeite und so weiter und so fort. Also, das dritte Thema wäre Einstellung und in diesem Bereich das Augenmerk auf das Thema Dankbarkeit zu lenken.

 

Für jeden sind Tipps dabei

Peter: Wow, ich bin gerade geflasht. Das waren richtig viele spannende Tipps. Ich glaube, damit kann man schon starten und viele wichtige Anstöße geben.

Jörg: Sorry, dass ich hier noch einmal unterbreche, Peter. Ich möchte mich fast dafür entschuldigen, dass ich jetzt hier quasi zehn Minuten lang Monolog gehalten habe darüber, was man alles machen kann.

Du siehst, das Thema brennt mir auf der Seele und ich habe so viele Themen angerissen. Ich hoffe, ich habe niemanden überrollt. Vielleicht kann sich der eine oder andere einfach nur das aussuchen, was gerade für ihn ganz wichtig ist. Es gibt so viele Bereiche, so kleine Stellschrauben, wo man drehen kann. Ich weiß, es war super viel, aber es ist mir ein dringendes Bedürfnis. Jeder kann da was machen.

Peter: Eher im Gegenteil, wir sind dir dankbar dafür. Man merkt richtig, wie du für dieses Thema brennst. Magst du uns noch zum Abschluss einen Einblick geben, wie dein persönlicher Start in den Tag aussieht?

 

Zeitabschnitte ohne Routine

Jörg: Ein gutes Thema. Also, die letzten Wochen möchte ich ausklammern. Dadurch, dass ich zum dritten Mal Vater geworden bin, und mir bewusst Zeit genommen habe, überhaupt keine Routine zu haben, was übrigens völlig in Ordnung ist, wenn man das bewusst macht. Das ist jetzt eine Lebensphase, wo ich wirklich in den Tag hinein lebe, weil ich weiß, das ist wahrscheinlich mein letztes Kind, das ich haben werde. Die Zeit genieße ich voll und ganz und gehe bewusst aus meiner Struktur heraus und gehe dann wirklich wieder in meine Struktur hinein im Sommer bzw. Herbst.

 

Jörgs Morgenroutine

Aber normalerweise sieht meine Morgenroutine an einem normalen Arbeitstag so aus: Ich stehe um fünf Uhr auf, gehe kurz ins Bad, mache mich fertig.

 

1. Meditation

Dann meditiere ich. Ich mache mittlerweile zwischen 45 und 70 Minuten Meditation. Ist aber kein Muss. Nicht, dass jeder erschrickt. Ich habe angefangen mit zehn Minuten. Aber für mich ist es in meiner aktuellen Lebensphase sehr wichtig. Also 45 bis 70 Minuten Meditation.

 

2. Tagebuch für Dankbarkeit, Wochenziele, Wünsche und die drei wichtigsten Aufgaben

Dann setze ich mich an den Schreibtisch. Ich habe ein Tagebuch und schreibe zuerst drei Dinge auf, für die ich dankbar bin und es sind jeden Tag drei neue Dinge, für die ich dankbar bin. Im nächsten Schritt schreibe ich ausführlich mein schönstes Erlebnis in den letzten 24 Stunden auf.

Weiterhin schaue ich mir meine Wochenziele an. Was möchte ich erreichen? Dann schaue ich mir meine top drei an, die ich heute meistern will. Die habe ich schon am Vortag definiert. Aber ich schaue mir noch einmal an, passt es noch, ist es immer noch stimmig? Bringe mich quasi mental auf die top drei. Visualisiere die kurz. Stelle mir kurz vor, wie es aussehen würde, gedanklich, wenn ich die drei erfolgreich gemeistert hätte.

Dann schreibe ich kurz auf, was den Tag wunderbar machen würde. Das ist meine Morgenroutine. Der nächste Schritt wäre, dass ich in den top drei arbeite, sprich, die top drei erst einmal anzugehen, bevor ich E-Mails checke.

 

3. Gemeinsames Frühstück mit der Familie

Von fünf bis acht Uhr ist das meine Morgenroutine plus an dem wichtigsten Ziel arbeiten, was ich für heute erreichen möchte.

Dann von acht bis neun Uhr Frühstück mit der Familie, dann Kinder in den Kindergarten bringen. Je nachdem geht es dann viertel nach neun weiter: An den top drei arbeiten und dann, wenn ich die erledigt habe, geht es damit los, dass ich eine halbe Stunde die Mails checke und die Inbox wieder auf null bringe.

Peter: Ja, ich glaube, man merkt, du predigst, was du tust. Ich dachte eigentlich, ich habe einen strukturierten Tagesstart. Aber habe ich anscheinend nicht.

 

Individuelle Morgenroutinen für individuelle Menschen

Jörg: Ich möchte da kurz noch was sagen. Es sollte niemand denken, so sollte eine optimale Morgenroutine aussehen. Das ist Quatsch!

Wichtig ist, sich immer zu vergegenwärtigen, dass jeder Mensch anders ist, jeder Mensch hat andere Ziele, andere Bedürfnisse, andere Wünsche. Für jeden funktioniert etwas anderes gut. Wichtig ist einfach nur, dass man sich bewusst wird, was funktioniert und was für einen nicht funktioniert. Das ist das, was aktuell für mich funktioniert und das ändert sich auch immer wieder. Manchmal nehme ich Sport mit hinein und so weiter und so fort. Wichtig ist, dass jeder eine eigene Morgenroutine braucht.

Peter: Ich glaube, da sind ganz viele Fragen offen und ich hoffe, dass sich unsere Hörer an dich wenden können.

Jörg: Gerne!

Jörgs Kontaktdaten

Peter: Damit sie wissen, wo sie sich an dich wenden können: Wo kann man dich denn im Netz finden? Auf der Website, Social Media etc.?

Jörg: Genau. Also meine Internetseite ist joergkundrath.de. Ihr könnt mir aber auch gerne E-Mails schreiben. Das ist völlig in Ordnung. Ich werde alle Anfragen beantworten. Sonst bin ich auch auf Twitter oder Instagram. Aber am besten ist immer der direkte Weg.

 

Danke Jörg!

Peter: Jörg, ich möchte mich ganz herzlich bedanken, dass du dir heute die Zeit genommen hast für unsere Zuhörer. Du hast das letzte Wort heute.

Jörg: Erst einmal herzlichen Dank Peter, dass ich dabei sein durfte und ich hoffe der eine oder andere konnte einen Impuls mitnehmen.

Vielen lieben Dank auch von meiner Seite aus für das zuhören/lesen.

Danke, dass ich da sein durfte. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast oder die Zeit nimmst, immer spannende Gäste zu interviewen.

Peter: Bis zum nächsten Mal.

 

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Redaktion

Peter-Georg Lutsch

Als Gründer der Sidepreneur® Plattform unterstütze ich seit über 7 Jahren nebenberufliche Gründer*innen dabei, ihre Geschäftsideen umzusetzen und ihr Unternehmen erfolgreich aufzubauen.

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