Agiles Zeitmanagement: Mehr Freiraum für dein Side-Business

Wie du als Sidepreneur Zeit für dich gewinnst und Familie und Beruf in Einklang bringst…

Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Episode des Sidepreneur-Podcasts, in der wir über agiles Zeit- und Selbstmanagement sprechen. Unsere Expertin zu diesem Thema ist heute Dr. Silvia Schäfer, die ich auf einem unserer Sidepreneur-Meetups in Frankfurt am Main kennengelernt habe.

Du kennst das sicher auch, gerade als Sidepreneur hast du wenig Zeit. Wenn jemand das total gut nachvollziehen kann, dann ist es Silvia, denn sie ist selbst Sidepreneurin. Sie hat Tipps und Ideen entwickelt, wie du als Sidepreneur dein Business so richtig in Schwung bringen kannst.

Freiraum schaffen mit einer agilen Einstellung und agilen Methoden

Silvia schafft Freiraum, sodass du Zeit für dich selbst und zum Reflektieren deiner Bedürfnisse hast. Das vermittelt sie auch in ihrem “Freiraum-Podcast”. Mit einer agilen Einstellung und agilen Methoden lebt sie ihren Traum erfolgreich im Beruf und gelassen im Leben zu sein. Ihr Ziel ist es, dir zu Leichtigkeit und Gelassenheit in Familie und Beruf zu verhelfen.

Sie ist Coach und Projektmanagerin in einem großen Konzern in Frankfurt am Main, als Sidepreneurin selbstständig und gleichzeitig Familien-Managerin. Herzlich Willkommen, liebe Silvia hier bei uns im Sidepreneur-Podcast. Bitte stelle dich unserer Hörer- und Leserschaft vor.

Gelassenheit und Leichtigkeit
in Familie und Beruf

Silvia: Hallo, liebe Juliane, ich bin schon ganz geflasht von dem Super-Intro, das du gegeben hast. Ich bin eigentlich ein “Land-Ei”, komme aus Heblos im Vogelsberg, einem kleinen Dorf auf dem platten Land. Irgendwann hat es mich nach Frankfurt gezogen, wo ich Chemie studiert habe. Jetzt gilt meine Leidenschaft dem Projekte Managen und dem Organisieren. Natürlich kommt mir das auch in der Familie sehr zu gute.

Das Wichtigste ist aber, dass man mit einer gewissen Gelassenheit und Leichtigkeit rangeht, weil das Leben gerne auch leicht sein darf. Man muss nicht den ganzen Tag “Schaffa, schaffa, Häusle baua”. Das macht zwar Spaß und man darf auch bewusst in so ein Hamsterrad reingehen, weil es vielleicht gerade an der Zeit ist, einfach mal Gas zu geben. Aus meiner Sicht sollte man sich aber bewusst sein, was die eigenen Ziele sind und wie ich es mir selbst leicht machen kann.

Juliane: Du bist Führungskraft in deinem Hauptjob, nebenbei Sidepreneurin und auch noch Mutter. Wie ist dein Arbeitszeit-Modell? Wie kann ich mir das vorstellen?

Wenn Lebens- und Arbeitswelt verschmelzen – Work-Life-Blending

Silvia: Wie ich eingangs sagte, komme ich vom Land, wo es viele Bauernhöfe gibt. Dort gibt es nicht im klassischen Sinne die Arbeits-, Lebenszeit oder Freizeit – es geht alles ein bisschen ineinander über. Statt Work-Life-Balance, wie es so schön heißt, ist es eher Work-Life-Blending. Von daher ist es für mich – wenn ich z.B. im Konzern etwas mache oder einen Podcast einspreche oder Blogartikel schreibe – natürlich Zeit, aber es ist nicht Arbeit.

Es sind meine Herzensthemen und bei allen habe ich nicht das Gefühl, dass ich es großartig ändern müsste. Je älter ich werde, desto mehr schärft es sich, dass ich weiß, wofür ich stehe und schneller entscheiden oder auch umdisponieren kann. Wenn ich mich z.B. an den Computer setze, um etwas für mein Side-Business zu tun und merke, dass mein Kind mich gerade braucht, bin ich natürlich so agil und flexibel, dass ich umswitchen kann. Genauso kann es passieren, dass ich nach Feierabend gerne ins Schwimmbad gehen würde – wenn dann im Job etwas dazwischen kommt, bin ich schon traurig, weiß aber, die Erde dreht sich weiter und es wird noch andere Tage geben, an denen ich die Sonne genießen kann.

Die Zeit kann man nicht zurückdrehen

Was ihr da draußen vielleicht mitnehmen solltet: Die Zeit kann man nicht zurückdrehen. Ich bin der festen Überzeugung, dass ihr eure Zeit genießen solltet, denn sie kommt einfach nie wieder. Warum nicht genießen, auch wenn es vielleicht nicht die Leidenschaft ist. Trotzdem, wenn man Einkaufen muss, weil der Kühlschrank leer ist – auch das kann man in gewisser Weise genießen. Es nutzt ja nichts, wenn ich mit einer schlechten Miene durch die Gegend laufe und vielleicht auch noch andere Leute damit anstecke. Das möchte zumindest ich gerne vermeiden.

Teilzeit oder Vollzeit?
Welches Arbeitszeitmodell passt zu mir und meinem Side-Business?

Juliane: Wie oft in der Woche gehst du deinem Hauptjob nach? Wie ist das aufgeteilt? Machst du nur am Wochenende etwas für dein Side-Business oder gibt es auch hierfür feste Zeiten?

Silvia: Nachdem ich Chemie studiert hatte, war ich in Vollzeit angestellt und sehr oft auch noch abends im Labor, weil es meine Leidenschaft war. Als dann die Kinder kamen, bin ich bewusst in die Teilzeit gegangen. Den Arbeitgebern, bei denen ich mich beworben hatte, habe ich von vornherein gesagt, dass ich nur Teilzeit arbeiten möchte. Das hat allerdings auch dazu geführt, dass ich in der Chemie keine Führungsposition oder einen anderen Job bekommen habe. Da mir die Teilzeit-Familie so viel wichtiger war, bin ich dann deshalb in die IT gegangen und habe damals Websites bei der Goethe-Universität im Klinikum aufgebaut, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Ich habe damals bewusst gesagt, ja, ich bin da für den Arbeitgeber und ich bin da für die Kinder.

Flexibles Arbeiten oder feste Zeiten?

Dann habe ich das so nach und nach ausgebaut in den Zeiten, wo die Kinder sowieso den halben Tag in der Schule waren und mich weniger brauchten. Mittlerweile sind meine Kinder auch größer, gehen quasi ihre eigenen Wege und jetzt bin ich auch seit ein paar Jahren wieder Vollzeit tätig. Zwischendurch war ich Teilzeit im Home Office und arbeite jetzt wieder Vollzeit im Home Office. Wir haben flexibles Arbeiten im Unternehmen, sodass ich jeden Tag selbst entscheiden kann, ob ich zur Arbeit fahre oder nicht. Natürlich muss ich mich mit dem Team abstimmen, aber das ist selbstverständlich für mich.

So konnte ich für mich ein sehr gutes Modell entwickeln. Um noch auf deine Frage einzugehen, ob ich die Zeiten gestaffelt habe – das habe ich bewusst nicht getan.

Wie ein Kanban-Board beim Workflow hilft

Ich gehe dabei sehr agil vor mit einer Art “Kanban-Board”. Ich schreibe mir die Aufgaben auf Kärtchen – mittlerweile mache ich das digital, habe es in der Hosentasche dabei – und ziehe mir die Karten, wie ich sie brauche. Mein Side-Business mache ich größtenteils am Samstag und manchmal auch vor oder nach der Arbeit. Wie es halt gerade passt. Manchmal fange ich in der Festanstellung erst um 10 Uhr an und bin dann bis um 19 Uhr abends. Wenn ich morgens normal angefangen habe, kann ich am späten Nachmittag z.B. meinen Podcast schneiden.

Ich bin auch mutig, wenn ich mal Aufgaben nicht schaffe, diese zu streichen. Dazu kann ich euch nur animieren. In ein “Kanban-Board” schreibt man meist alles rein, was einem so in den Sinn kommt. Ich miste das auch mal aus, weil ich feststelle, dass ich das in den letzten drei Monaten nicht angefasst habe. Dann wird es gestrichen, weil ich nicht diejenige bin, die einen Berg vor sich herschiebt, sondern den Freiraum braucht. Dennoch gibt es natürlich Aufgaben, die erledigt werden müssen.

Mit Freude ungeliebte To Do’s erledigen

Juliane: An manchen Aufgaben kommt man wirklich nicht vorbei, es sei denn man kann sie outsourcen. Es gibt natürlich immer ein paar To Do’s, die weniger Freude machen. Du hast ja gerade schon den tollen Tipp gegeben mit dem Einkaufen. Auch wenn wir keine Lust haben, es ist unsere Lebenszeit und die sollten wir auch genießen.

Silvia: Und man kann ja auch ungeliebte Sachen ein bisschen zur Meisterschaft machen. Manchmal habe ich das mit meinen Kindern, wenn sie ihre Zimmer nicht aufräumen wollen. Das kann man auch zur Challenge ausrufen und sagen: “Wer hat als Erstes das Zimmer aufgeräumt?” Einfach, damit sie mit Spaß und Ehrgeiz dabei sind.

Die Vorteile von Outsourcing für dein Sidepreneur-Business

Auch das Thema “Outsourcen” finde ich mega-wichtig. Gleichzeitig bin ich ein Fan von Automatisierung, wobei es hier viele Tools – oft in einer kostenlosen Version – gibt, die man sich herunterladen kann.

Gerade im Sidepreneur-Business ist es immer wieder wichtig, zu schauen, wo ich meine größten Stärken habe. Wenn es die Content-Erstellung ist fokussiere ich mich darauf oder wenn es meine Stärke ist, Kunden zu akquirieren würde ich sagen, mach’ Akquise. Tu’ das, was dir leicht von der Hand geht und für andere Dinge kann man sich vielleicht einen Studenten buchen, der beispielsweise die Newsletter schreibt. Einfach immer wieder auf sich selbst schauen und auf sein Herz hören.

Selbst wenn es Geld kostet, Zeit und Geld kann man ja “verrechnen” und für mich hat es in jeder Disziplin eine andere Währung. Sachen wie z.B. Podcast-Schneiden mache ich selbst so gerne, sodass ich es schnell selbst erledige. Ich könnte die Aufgabe aber auch an jemand outsourcen. Also hier immer kucken, was für einen selbst das Beste ist. Wir sind ja zum Glück im Side-Business sehr frei, zu entscheiden und sozusagen im Auto auf dem Fahrersitz, dürfen die Gänge schalten und die Richtung vorgeben. Das ist das, was auch mich immer wieder fasziniert und mir sehr viel Freude bereitet.

Weshalb es sinnvoll ist, Aufgaben abzugeben

Juliane: Vor allem, wenn man an manche Aufgaben schwer rangeht oder weniger mag, kostet es sehr viel Energie und Zeit. In dem Fall macht es wirklich Sinn, diese Aufgabe jemanden zu geben, der Spaß und Freude daran hat. Für mich selbst wiederum habe ich dann mehr Zeit für die Aufgaben, die ich richtig gut kann und bin dann zufriedener.

Gerade im Side-Business gibt es noch die Sicherheit aus dem Hauptjob. Wenn es darum geht, dass man Kosten sparen muss oder noch nicht so viel verdient mit seinem Side-Business – das Gute ist ja, dass man davon eben nicht leben muss im ersten Schritt. Von daher kann man auch schauen, dass man sich für manche Aufgaben gleich Entlastung sucht.

Silvia: Genau.

Juliane: Man merkt dir an, dass du in deinem Hauptjob richtig viel Spaß in deiner verantwortungsvollen Position hast. Aber irgendwann war bei dir die Idee “ich möchte mich nebenberuflich verwirklichen”. Wie kam der Wunsch dazu bei dir auf? Erzähl bitte noch mal genauer, was dein Side-Business ist und was deine Vision dahinter war.

Silvias Vision …

Silvia: Meine Vision ist, den Menschen zu mehr Happiness zu verhelfen. Es ist mir wichtig, etwas in anderen Personen zu bewegen, damit sie selbst zu ihrer eigenen Definition von Erfolg kommen. Nicht jeder, der viel verdient oder eine große Familie hat, ist erfolgreich, sondern jeder nach seiner Definition. Ich habe festgestellt, dieses Organisieren und wie man die Zeit verbringt, fällt mir total leicht. In der Anfangszeit, als ich als Coach gearbeitet habe, sagten die Anderen zu mir: “Ach, mir fällt das so schwer, wieso ist das bei dir so leicht?”. Und ich dachte mir, wenn ich so eine Fähigkeit habe, weshalb soll ich sie für mich behalten und nicht den Anderen mitteilen.

Happiness Booster

Durch meine Kinder habe ich mich viel mit Eltern unterhalten, die so meine erste Zielgruppe waren, als ich mich selbstständig gemacht habe. Gerade die Eltern muss man ein bisschen aus dem Hamsterrad rausbringen und mit Zeit-Spar-Tipps versorgen, wobei ich schon weiß, dass man Zeit nicht wirklich sparen kann. Aber es ist halt das gängige Wording.

Ich kann mich erinnern, als ich noch in der Schule war habe ich mir gedacht “Okay, unter der Dusche hast du Zeit”, habe mein Vokabelheft in eine Klarsichthülle gesteckt und die Zeit einfach genutzt, um Vokabeln zu lernen. So sind es manchmal kleinere Tipps, die helfen und die möchte ich einfach weitergeben. Eines meiner Programme heißt “Happiness Booster”. Dabei geht es mir nicht darum, den Leuten zu zeigen, was sie tun müssen, sondern das, was schon da ist, zu verstärken.

Segel setzen in allen Lebenslagen und das Zeitmanagement verbessern

Ich habe noch eine andere Vision. Beim Segeln hatte ich ein Aha-Erlebnis, denn egal wie der Wind kommt – du kannst die Segel richtig setzen und auch wenn du sie gesetzt hast und in die richtige Richtung fährst… Du musst immer wieder nachjustieren und agil auf die Umgebung eingehen.

In der heutigen Zeit ist alles schnelllebiger und es kommt viel auf einen zu. Dabei ist es wichtig mit einem agilen Mindset auf Unvorhergesehenes gut zu reagieren. Ich bin stolz darauf, dass ich meine Prinzipien und Werte habe und schnell entscheiden kann. Wenn ihr das für euch klar habt, ihr euer “Why” kennt und wisst, wo ihr hinwollt, wird sich euer Zeitmanagement viel besser darstellen.

Zum Thema “Finde dein Warum und warum es auch für Sidepreneure so wichtig ist“, haben wir eine extra Podcast-Episode mit Michaela Schächner aufgenommen. Du kannst sie dir hier anhören oder nachlesen.

Es bringt dagegen nichts, immer nur Zeitmanagement zu betreiben. Wenn man die Leiter, an der man hoch will an die falsche Wand stellt, geht man einfach nur schneller die falsche Wand hoch. Dabei ist einem selbst gar nicht bewusst, dass man in die falsche Richtung geht. Ist mir auch schon passiert und ist nicht schlimm. Wenn man’s dann merkt, sich einfach wieder ausrichten mit dem Kompass wie auf dem Segelschiff und die Segel neu setzen. Das ist so meins, wenn ich dazu beitragen kann, dass ihr da draußen ein bisschen glücklicher, gelassener werdet, euer Ding macht und euren Traum verwirklicht. Dann bin ich zufrieden und habe viel erreicht.

Was ist das Besondere an agilem Zeit- und Selbstmanagement?

Juliane: Selbst- und Zeitmanagement sind Worte, die oft genutzt werden. Wir managen unsere Zeit und uns selbst. Agiles Selbst- und Zeitmanagement ist nochmal ein anderer Begriff. Kannst du bitte abgrenzen, was die Besonderheit dabei ist.

Silvia: Das möchte ich an einem Beispiel klar machen. Ich bin ja auf dem Land aufgewachsen und da wird morgens besprochen, wer in den Stall geht oder sich um die Felder kümmert. Ist heute ein guter “Heu-mach-Tag” oder muss das Stroh reingeholt werden. Vielleicht kommt dann auch mal eine Kuh dazwischen, die kalbt. Das sind so Sachen, bei denen ich damals schon gemerkt habe, wenn man sich etwas vornimmt, kann es sein, dass es sich ändert. Hab’ dann aber realisiert, Hauptsache ist, sobald ich etwas tue, werde ich vorankommen.

Flexibel reagieren

Diese Erfahrung hat mich schon immer darin bestärkt, mir für Aufgaben nicht irgendwelche Termine zu setzen, sondern auf mein Herz und die eigene Intuition zu hören und wenn sich von außen etwas ändert, agil darauf zu reagieren. Das heißt nicht, seine Prinzipien zu revidieren. Aber man hat die Möglichkeit, sich jederzeit umzuentscheiden – der beste Moment dafür ist immer jetzt.

Wie die “Scrum-Methode” und “Time-Boxing” helfen, Ziele zu erreichen

Ein agiles Zeitmanagement hat für mich folgende Eigenschaften: Es ist einmal sehr flexibel. Das heißt, ich habe keinen Terminkalender, in dem die Aufgaben stehen, sondern eine Art “Kanban-Board” oder Scrum-Board, bei dem ich mir die Aufgaben zusammenstelle. Scrum kennt ihr vielleicht – kommt aus der IT und ist eine Projektmanagement-Methode. Der Grundsatz dabei ist, dass man etwas “time-boxed”. Beispielsweise nimmt man sich für die Woche Dinge vor und schaut, dass man es möglichst auch in der Woche erledigt. Dieses “Time-Boxing” und dieses Vornehmen haben den Vorteil, dass man den Fokus auf diese Aufgaben legt und diese durchzieht.

Andere miteinbeziehen

Wenn man agil vorgeht, z.B. wenn ihr ein Team habt in der Arbeit, der Familie oder im Sidepreneur-Business, bedeutet es die Team-Mitglieder mit einzubeziehen. Gerne auch delegieren, sich absprechen und schauen, wer kann was am besten leisten oder Meinungen von Anderen an sich heranlassen, überdenken oder nach Feedback fragen.

Wenn du selbst nicht einschätzen kannst, was für dich gerade wichtiger ist, frag doch einen Experten, der das schon mal gemacht hat oder einfach einen gesunden Menschenverstand hat.

Ich habe früher ganz oft meine Kinder gefragt “Wenn du jetzt nur eine Sache machen könntest – du hast das und das zur Auswahl – was würdest du tun?” Lustigerweise haben sie mir intuitiv oftmals zu der richtigen Sache geraten.

Der Prioritäten-Switch

Agiles Zeitmanagement heißt auch, dass du sehr flexibel umplanen und in einer veränderten Situation den Aufgaben einen anderen Wert beimessen kannst. Wenn ich beispielsweise im Home Office sitze und eine superwichtige Telko habe und das Kind reinkommt und am Arm blutet, weiß ich genau, ich beende diese Telko und kümmere mich um mein Kind. Mir ist dabei egal, wer in dieser Telko ist – ich switche die Prios dann einfach um.

In einem agilen Zeit- und Selbstmanagement ist es wichtig, dass man seine Prioritäten kennt, um schnell zu entscheiden, aber im Einzelfall die Prioritäten-Liste switchen kann.

Ich kann euch nur dazu animieren, es auszuprobieren. Sicher kommt es auch darauf, wie hoch das Sicherheitsbedürfnis oder der Grad an Perfektionismus ist. Mal zu sagen, die Sonne scheint… ich mache jetzt den Bericht fertig, vielleicht nicht so perfekt wie sonst – 80 Prozent reichen im Zweifel – und sage, jetzt ist es mir wichtiger fertig zu werden und ins Schwimmbad zu kommen. Ihr könnt aber auch sagen, okay, das Schwimmbad steht morgen noch und jetzt habe ich das Bedürfnis, einen perfekten Bericht zu schreiben. Seid euch bewusst, egal was ihr tut, es ist immer eure Lebenszeit.

Die Perspektive wechseln

Juliane: Wenn man sich deine Tipps mit den Prioritäten anhört und dass man diese jederzeit verändern kann, merkt man wie flexibel man selbst dafür sein muss oder werden sollte. Ich kenne das auch von Veranstaltungen. Oftmals, gerade bei mehrtägigen Veranstaltungen, peilt man immer wieder den gleichen Sitzplatz an, weil ich den ja kenne. Ich kenne den Blick nach vorne oder aus dem Fenster.

Aber tatsächlich ist es so, wenn man sich mal woanders hinsetzt, hat man einen ganz anderen Blickwinkel. Auch das ist ja eine Form von Flexibilität, die Perspektive zu wechseln und zu sagen, okay, heute scheint die Sonne noch so schön und ich gehe jetzt doch lieber raus.

Silvia: Ja, genau.

Wie verschiedene Sichtweisen bei der Entscheidung helfen können

Fragt euch einfach mal “Wie würde ich zehn Jahre später entscheiden?” Wie relevant ist das Problem, wenn ich es in einer Woche ankucke, in einem oder in fünf Jahren? Was mir auch immer sehr geholfen hat – ich habe natürlich auch ein paar Vorbilder – wie würde mein Vorbild damit umgehen? Ein großes Vorbild für mich war und ist meine Oma, die sehr agil unterwegs war. Sie hatte so eine “Hands on Mentalität” – Einfach Machen! Das habe ich mir auch bewahrt und mich oft gefragt, wie das meine Oma machen würde. Wie würde sie rangehen mit ihrer Weisheit und mit dem, was sie erlebt hat. Oder auch zu sagen, wie würde es z. B. meine Tochter machen, die noch so unbefangen durchs Leben geht.

Die verschiedenen Sichtweisen helfen nicht nur einem selbst bei einer Entscheidung, sondern auch im Team. Auch wenn ihr als Einzelkämpfer, als Sidepreneur unterwegs seid, habt ihr immer Kunden, Partner. Und wenn ihr diesen Perspektivenwechsel hinbekommt wie beispielsweise einfach mal “den Sitzplatz zu wechseln” ist das schon viel, viel wert. Ihr müsst nicht das große Rad drehen, sondern beobachten, was tut mir gut, wie fühlt es sich für mich an.

Nebenberuflich selbstständig – was sagt der Arbeitgeber dazu?
Silvia’s Erfahrungsbericht

Juliane: Du bist in einem großen Konzern fest angestellt und hast sicherlich das Gespräch mit deinem Arbeitgeber gesucht, um deine nebenberufliche Selbstständigkeit genehmigen zu lassen. Kannst du bitte berichten, wie dein Arbeitgeber deine Selbstständigkeit sieht und wie es aus deiner Sicht deinen Hauptjob positiv beeinflusst?

Silvia: Was mir schon immer wichtig war ist Transparenz und Klarheit zu haben. Das sind für mich Werte neben Freiraum oder Freiheit. Ich habe von Anfang an immer die Arbeitgeber mit einbezogen, indem ich gesagt habe “Das und das habe ich vor. Ist das alles möglich? Wie muss ich das aufzeigen?” Dann hieß es natürlich, dass es den Job nicht beeinträchtigen darf und man darf nicht die gleichen Kunden haben. Mein Side-Business war immer anders ausgerichtet als mein Hauptjob. Das eine ist eher Coaching und das andere Projektmanagement. Von daher habe ich immer mit offenen Karten gespielt.

Auch beim Wechsel zu meinem jetzigen Arbeitgeber habe ich es offiziell angemeldet, was selbstverständlich rein aus rechtlichen Gründen sein muss. Das Interesse für meine nebenberufliche Tätigkeit ist in diesem Konzern sehr groß. Ich werde oft gefragt “Ja, was machst du denn da?” oder “Wenn du Zeitspar-Tipps hast, könntest du doch unsere Abteilung mal schulen”. Mittlerweile ist es auch so – weil ich gerne Keynotes halte und moderiere – hatte ich letztens das Vergnügen, dass ich vor 400 Personen in einem großen Atrium ein Townhall-Meeting mit der Geschäftsführung moderieren konnte. Daraufhin kamen manche auf mich zu mit der Frage “Wie machst du das?”, “Woher kannst du das?”. Meine Antwort: “Na ja, nebenbei halte ich gerne Vorträge und versuche, Leute zu inspirieren”.

Auch im Hauptjob über sein Side-Business sprechen

Ich gehe jetzt mittlerweile offener mit meinem Side-Business um. Nicht weil ich es in die Welt tragen möchte, sondern weil ich merkte, das was ich den Leuten biete tut ihnen gut. Ich versuche jedem das zu geben, was er braucht. Wenn einer sagt “Silvia, mit dieser Selbstbestimmung oder “aus dem Hamsterrad raus”. Das sind Themen, die ich gar nicht brauche. Ich bin glücklich so wie ich bin ohne Happiness Booster.” Dann sage ich immer “Alles cool, es ist nur ein Angebot von meiner Seite”.

Zu meinem Lebenssinn gehört eben auch, an mehreren Fronten aktiv zu sein. Ich bin mittlerweile sehr froh, dass man das so offen sieht.

Wie die nebenberufliche Selbstständigkeit den Angestellten-Job positiv beeinflusst

Klar, meine Selbstständigkeit beeinflusst auch meinen Angestellten-Job, weil ich viel unternehmerischer und viel lösungsorientierter denke. Dieses selbstverantwortlich sein und selbst Entscheidungen zu treffen, die Konsequenzen dafür zu tragen hilft mir im Hauptjob natürlich auch – wie ich schon sagte – schneller Entscheidungen zu treffen.

Ich kann es euch Sidepreneuren nur ans Herz legen: Ihr seid alle etwas Besonderes und ihr macht alle unterschiedliche Erfahrungen im Sidepreneur-Business. Traut euch, diese Stärken auch eurem Arbeitgeber zu zeigen. Das kommt auch dem Angestellten-Job zu gute. Es ist ja auch so, dass ich nicht meine Sidepreneur-Business-Brille irgendwo ablege, sobald ich durch die Tür der Firma gehe. Schaut auf euch selbst, dass ihr Qualitäten, die ihr im Angestellten-Dasein habt auch mit rüberzieht ins Sidepreneur-Business. Warum nicht?

Juliane: Vielen Dank für deine Ausführungen. Tatsächlich bekommen wir oft Fragen wie “Ich habe da diese oder jene Idee und traue mich nicht, mit meinem Arbeitgeber zu reden. Wie bereite ich mich auf das Gespräch vor?” Toll, wenn wir aus der Praxis hören, welche positiven Effekte es dabei gibt. Wie du schon sagst, kann man die Sidepreneur-Brille nicht einfach ablegen und bringt viele positive Dinge in den Hauptjob mit rein. Von daher kann man das gut in ein solches Gespräch transportieren.

Tipps & Inspirationen

Welche Menschen haben dich während deiner Zeit als Sidepreneurin inspiriert? Welche Bücher hast du gelesen, die dich vorangebracht haben? Kannst du bitte den einen oder anderen Tipp geben.

Silvia: Der große Tipp ist: Lest… Egal, ob E-Books oder Bücher. Bildet euch weiter, lasst euch inspirieren, auch gerne von anderen Sichtweisen. Ich lese auch manchmal Kunst-Bücher, obwohl ich mit Kunst eigentlich nicht viel am Hut ab.

Mein Tipp für euch im Sinne des Sidepreneur-Business sind unter anderem Bücher von “John Strelecky” wie z. B. “Das Cafe am Rande der Welt*” oder “The Big Five for Life*”. Das sind kurze Bücher, die man mal nebenbei lesen kann – die aber meines Erachtens sehr in die Tiefe gehen.

Finde dein Warum

Auf Englisch heißt es “The Why Are You Here Cafe*”, sprich “Warum bist du hier”.

Ich hab mich schon als Kind damit beschäftigt, als ich im Herbst auf dem Rücken auf einem Feld lag mit meinem Drachen, den ich nach rechts und links am Himmel schleifen ließ. Schon damals habe ich mir Gedanken über mein Leben gemacht. Was will ich mal erreichen? Damals wollte ich noch Forscherin werden und die Welt mit Chemie besser machen. Mittlerweile versuche ich als Coach im Mindset zu arbeiten, wobei ich merke, dass mir das auch sehr gut liegt.

Wenn man seinen Lebenssinn kennt, wenn man sein “Why*”, das Warum gefunden hat – Simon Sinek ist euch vielleicht bekannt – macht es einem die Entscheidungen und auch das Zeitmanagement einfacher.

Freiraum und Zeit für deine Leidenschaft

Mein Ziel ist es, nicht Zeit zu haben, um im Business noch mehr voranzukommen, sondern Zeit für seine Leidenschaft zu haben. Wenn eure Leidenschaft das Business ist, dann gebt da einfach Gas. Oder wenn es Segeln mit der Familie ist oder in Konzerte gehen, dann tut das. Das ist so mein Tipp mit dem Zeitmanagement, um sich Freiraum zu schaffen.

Ich möchte noch kurz auf Folgendes eingehen: Die Sidepreneure sind ja immer im Hamsterrad zwischen dem Job, dem Sidepreneur-Business und der Familie. Diesen Freiraum sollte man sich bewusst zu schaffen, um zu reflektieren, was das persönliche “Why” ist.

Ich habe das oft in Bewerbungsgesprächen, wenn ich neue Mitarbeiter einstelle. Dann frage ich immer “Was ist denn Ihr Lebenstraum? Was wollen Sie bewirken?” Die Antwort ist dann häufig “Ja, wie, da habe ich mir noch keine Gedanken gemacht”. Oder “Wenn alles Geld der Welt Ihres wäre und Sie hätten ganz viel Zeit, was würden Sie tun?” Manchmal bin ich erschrocken, dass dann so wenig kommt.

Hör auf dein Herz und dein Bauchgefühl

Das kann ich den Sidepreneuren mitgeben: Hört auf euer Herz und euer Bauchgefühl. Manche haben das ein wenig verloren durch diese schnelllebige Zeit. Das wäre mein Tipp.

Juliane: Schön. Ich beschäftige mich auch viel damit das “Why” herauszuarbeiten bzw. auf das Bauchgefühl zu hören. Gerade habe ich so innerlich genickt als du sagtest, dass es viele in dieser Schnelllebigkeit verloren haben. Ich glaube auch, dass wir sehr zeitgetrieben sind und wir mehr auf unser Herz hören sollten. Es ist eben total wichtig, dass wir mit uns selbst ins Gespräch gehen und uns reflektieren.

Ich danke dir für diese wunderbaren Gedanken zum Thema “Agiles Zeit- und Selbstmanagement”, was mir sehr viel Freude gemacht hat. Du hast uns sehr viele Tipps gegeben, was man tun kann, um sich Freiraum zu schaffen.

Zum Abschluss gebe ich dir gerne nochmal die Bühne, damit unsere Leserinnen und Leser wissen, wo sie dich im Internet finden, wenn sie mehr über dich und dein Side-Business erfahren möchten.

Hier findest du Silvia im Internet

Silvia: Gerne, ihr seid herzlich eingeladen dazu. Ihr findet mich unter meiner Web-Präsenz silviaschaefer.de mit all’ meinen Angeboten, meinem Podcast oder Blogartikeln. Ich bin aber auch unter meinem Namen im Netz unterwegs wie beispielsweise auf LinkedIn. Einfach mal reinschnuppern. Ich streue immer gerne meine vielen Inspirationen. Ihr könnt auch gerne meinen Freiraum-Podcast abonnieren. Ich habe ein kleines Freebie “Gelassen statt genervt”, damit ihr euch Zeit und Freiraum verschaffen könnt. Die Audiospur gibt es über den Podcast. Wer gerne lesen möchte, für den habe ich einen dreiteiligen E-Mail-Kurs.

Angebote von Dr. Silvia Schäfer für dich als Sidepreneur

Wen das ganze Agile interessiert oder mehr Inspiration will – ich habe ein kleines E-Book geschrieben, bei dem Zeitspar-Tipps kurz und prägnant zusammengefasst sind oder auch mein Online-Kurs. Und weil mir die Sidepreneure sehr am Herzen liegen, habe ich euch einen Rabatt-Code zusammengestellt: Mit SIDEPRENEUR50 erhaltet ihr 50 Prozent Rabatt. Die Links dazu findet ihr am Ende dieser Podcast-Folge.

Ich freue mich auch über euer Feedback und Erfahrungen, die ihr gemacht habt und bin gespannt, von euch zu hören, wie ihr so durchs Leben geht.

Juliane: Vielen Dank, auch dafür, dass du uns den Rabatt-Code anbietest für unsere Hörer- und Leserschaft.

Liebe Silvia, ich danke dir für deine Zeit, um mit uns über Zeitmanagement und Selbstmanagement zu sprechen.

Und euch, liebe Sidepreneure da draußen, viel Erfolg mit eurem Side-Business und lasst uns gerne wissen, was für euch neu war. Was ihr vielleicht schon ab morgen in eurem Side-Business oder im Leben umsetzen werdet, denn viele Tipps waren ja auch für den Alltag und nicht nur fürs Business.

Wie Silvia schon so schön sagte “Es ist immer unsere Lebenszeit” und von daher schauen wir am besten, wie wir uns die am schönsten machen, sowohl im Hauptjob als auch im Side-Business oder mit der Familie und in der Freizeit.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine schöne Woche und freu’ mich, wenn ihr das nächste Mal wieder dabei seid. Tschüss.

Angebote für Sidepreneure von Dr. Silvia Schäfer:

Onlinekurs: https://silviaschaefer.de/mini-onlinekurs-anmeldung
E-Book: https://silviaschaefer.de/ebook-zeitmanagement-anmeldung

Rabatt-Code “SIDEPRENEUR50”

Präsenz von Dr. Silvia Schäfer im Internet

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1 comment
  1. Als nebenberuflich Gründender hat man so viele Dinge im Kopf, dass Zeitmanagement extrem wichtig ist. Der Artikel trifft es auf den Kopf.

    Gerade Kanban nutze auch ich dauerhaft. Im Prinzip ist Kanban ja einfach eine übersichtliche und priorisierte Darstellung von ToDo-Listen. Was für viele Gründer noch interessant sein dürfte, dass einige etablierte Tools aus dem Projektmanagement kostenlos verfügbar sind – zumindest für einzelne Nutzer.

    Ich denke da z.B. an Meistertask und Trello. Nutze ich auch bei pm-tools.info, wo ich alle möglichen Tools zum Projektmanagement vorstelle und vergleiche. Übrigens auch gerade in der Gründungsphase.

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