Vom Side-Business zum internationalen Unternehmen: Die Erfolgsstory der PR-Agentur WildkatPR

Juliane: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Episode des Sidepreneur-Podcasts. Ich freue mich riesig, dass du eingeschaltet hast, um dich inspirieren zu lassen. Heute habe ich wieder einen spannenden Interview-Partnerin, die sicherlich ganz viel aus ihrer Praxis als selbstständige Unternehmerin, als Sidepreneurin erzählen kann, denn auch sie hat ihr Business nebenberuflich gestartet.

Es freut mich immer ganz besonders, wenn ich Frauen im Interview habe, die als Vorbilder und Rollenmodelle für andere Frauen dienen, indem sie zeigen, was alles möglich ist und wie man es schaffen kann, seinen Traum von der Selbstständigkeit zu verwirklichen oder ein Unternehmen zu führen.

Kathleen Alder, Managing Director von WildKat PR stellt sich vor

Ich möchte jetzt gleich einmal Kathleen Alder zu Wort kommen lassen. Sie führt eine internationale PR-Agentur für Musiker und Kultur, von der sie gleich selbst mehr erzählen wird. Ich freue mich, dass wir in deine Gründungsgeschichte eintauchen können und ein bisschen mehr über deinen Weg als Unternehmerin erfahren werden.

Hallo Kathleen, schön, dass du heute bei uns hier im Interview bist.

Kathleen: Vielen Dank, dass ich da sein und mit dabei sein darf, um mit anderen Entrepreneuren zu reden. Das freut mich immer.

Juliane: Erzähl doch bitte einfach mal: Wer bist du? Wo lebst du? Was tust du?

Kathleen: Mein Name ist Kathleen Alder. Ich bin in Hamburg geboren, 36 Jahre jung und habe bis vor kurzem in Berlin gewohnt. Mittlerweile lebe ich an der Südwestküste Englands mit meinen zwei Jungs, meinem Ehemann und einem Hund. Ich habe WildKat PR im Alter von 24 Jahren gegründet, also vor zwölf Jahren mittlerweile. Damals in London mit zwei Geschäftsstellen in Berlin.

Was genau macht ihr bei WildKat PR?

Wir haben letztes Jahr ein Investment erhalten und relativ schnell expandiert in den letzten Monaten nach Los Angeles, New York und Paris. Es kommen noch Hongkong oder Tokio in den nächsten Monaten dazu – das wissen wir aber noch nicht genau. Wir arbeiten größtenteils im Kulturbereich, wobei wir auch relativ viele Botschaften und größere Festivals und Events haben, die ein bisschen mehr in die Politik gehen. Wir machen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Stiftungen, Botschaften, für Orchester, für einzelne Künstler und machen auch viel Marketing, Events – alles, was in den Bereich des Kulturmanagements geht.

Juliane: Hört sich mega-interessant an. Wahnsinn, was du auf den Weg gebracht hast, wenn man hört, dass du 24 warst, als du gegründet hast und jetzt bist du 36. Dann hast du natürlich schon einen Weg hinter dir und hast schon ganz viel geleistet und getan. Eine Frage, die mir sofort in den Kopf kam, als ich hörte, dass es mit Musik und Kultur angefangen hat:

Was ist deine persönliche Verbindung? Weshalb hast du dich für diese Zielgruppe entschieden?

Kathleen: Ich komme aus einer Musikerfamilie. Meine Eltern sind beide Musiker. Meine Mutter hat Geige gelernt und mein Vater ist Plattenproduzent. Dadurch war die Musik schon immer sehr nah bei mir und ich war eine relativ talentierte Geigerin damals und hab aber ganz doll Bühnenangst bekommen. Ich hatte immer so in meinem Kopf, dass der Karriereweg irgendwie in der Branche sein wird und hab aber nach ein paar Jahren in meiner Teenagerzeit gemerkt, dass ich ganz schlimm Bühnenangst hatte und das überhaupt nicht wegstecken konnte.

Damals ist eine Lücke entstanden, sodass ich auch nicht wusste, ob ich weiterhin im Musikbereich arbeiten möchte. Aber es hat mich einfach mein ganzes Leben lang begleitet und hier fühle ich mich sicherlich auch am wohlsten. Wir machen viel Musik zuhause und das gehört zu meiner Lebens-DNA, dass ich Musikerin bin vom Herzen her. Dadurch war das vielleicht auch die erste Kundengruppe, die mir am einfachsten fiel von Anfang an, weil ich mich am engsten verbunden gefühlt habe.

Juliane: Demnach spielt die Musik schon seit deiner Kindheit eine große Rolle.

Kathleen: Ja, absolut.

Juliane: Dann kam irgendwann dieser Punkt mit vielleicht 23 – mit 24 hast du ja gegründet – dass du gesagt hast, diese Zielgruppe möchte ich gern unterstützen im Bereich Marketing und PR.

Reisen und viele verschiedene Side-Jobs auf der Suche nach dem beruflichen Weg

Kathleen: Ja, meine Vita ist so ein bisschen buckelig zu der Zeit, weil ich nicht studiert habe. Ich habe mein Abi gemacht, bin dann ins Ausland gegangen und habe in Südamerika gewohnt und in Australien. Ein paar Jahre habe ich einfach Travelling gemacht und bin hin und her gereist. Ich habe auch ganz viele verschiedene Jobs gemacht damals, ob im Marketing oder Weintrauben pflücken in den Bergen oder habe im Call-Center gearbeitet. Bin dann in Berlin gelandet als ich Anfang 20 war und habe bei der Berliner Zeitung gearbeitet, da die Abos verkauft und ganz viele Side-Jobs gemacht, wusste aber nicht so wirklich wohin.

Wie Kathleen’s Karriere im Musikbereich begann…

Dann habe ich ein Studium für spanische Philologie angefangen und merkte aber nach drei Monaten, dass es überhaupt nicht mein Ding ist zu studieren. Das war auch ein ziemlich großer Schnitt von meiner Familie. Ich bin die einzige in etlichen Generationen, die nicht studiert hat. Dann hab ich bei einem Hip-Hop-Label in Berlin angefangen, um dort Künstler zu betreuen und die haben mich damals nach London geschickt und gesagt “Da wird eine Stelle frei”.

Dadurch, dass ich auch Engländerin bin und bilingual erzogen wurde – mein Vater ist Engländer – fand ich das ganz witzig in andere Stadt zu ziehen für die Arbeit und bin nach London gegangen. Dort hat so ein bisschen meine Karriere im Musikbereich angefangen. Ich habe es vorher gar nicht so ernst genommen, dass ich in der Branche lande oder landen werde.

Dann habe ich ein paar Jahre Berufserfahrung gesammelt, bei einem Plattenlabel gearbeitet – wusste aber von Anfang an, dass ich mich in diesen Großunternehmen sozial überhaupt nicht wohlfühle. Das ist irgendwie eine Struktur, die sehr rigide ist und hierarchienlastig. Man fühlt sich sehr eingeengt in seiner Job-Rolle – fand ich damals zumindest. Also, dass man eingestellt wird für einen Job und überhaupt nicht die Möglichkeiten hat, in andere Bereiche reinzuschnuppern oder sich weiterzuentwickeln oder Möglichkeiten hat, einen ganz anderen Bereich anzunehmen. Dadurch war mir relativ schnell klar, dass es nichts für mich ist. Trotzdem ist für mich wie vielen Anderen auch Sicherheit sehr wichtig.

Dann mach doch was nebenher

Ich habe zur gleichen Zeit meinen jetzigen Ehemann kennengelernt, der Designer ist und Grafik-Design studiert hat. Für ihn ist es ganz normal, selbstständig zu sein oder der auch schon mit 18, 19 Jahren Jobs einfach nebenher angenommen hat zu seinem normalen Alltagsjob. Ich glaube, das hat mir ganz gut getan, als Partner damals jemanden zu haben, der diese Mentalität hat zu sagen: “Dann mach doch was nebenher.” Ich hatte schon Glück, dass jemand an meiner Seite ist, der es als völlig normal empfindet, Side-Jobs zu haben.

Das hat einen großen Unterschied für die Gründung von WildKat PR gemacht, weil ich überhaupt nicht darüber nachgedacht habe, ob das jetzt machbar ist oder nicht oder ob ich mein Vollzeitgehalt bekomme oder ob daraus eine Vollzeit-Karriere wird. Ich habe es einfach nur als Nebenjob erst mal angefangen.

Juliane: Das war auch mein Gedanke als ich dich am Anfang erzählen hörte “Ob in ihr vielleicht schon immer der Wunsch steckte, selbstständig zu arbeiten und eine Anstellung gar nicht so in Frage kam?” Du hast es ja jetzt supergut beantwortet, dass es keineswegs in dir drin steckte, sondern sich durch dein Umfeld entwickelt hat.

Wie finde ich heraus, ob die Selbstständigkeit zu mir passt?

Kathleen: Total. Ich sage immer, es ist schon wichtig, mal alles gesehen zu haben. Es gibt so viele verschiedene, variierende Firmenstrukturen und ich glaube, dass man auch mal angestellt sein sollte, um zu verstehen, ob einem diese Sicherheit zum Beispiel viel mehr Wert bringt als die Selbstständigkeit. Ich glaube, es ist eine totale Typ-Sache.

Mein letzter Chef sagte zu mir “Du bist mit vollem Herzblut Unternehmer. Das ist ganz klar bei dir. Du brauchst Freiheit.” Mich hat es z. B. wahnsinnig gemacht, dass ich einen Chef hatte, der darauf geachtet hat, wenn ich nicht drei Minuten nach Neun am Schreibtisch gesessen bin. Das fand ich ganz schlimm – diese Mentalität mit Stoppuhr und dass Akzente auf solche Sachen gelegt werden als auf die Qualität oder die Freude bei der Arbeit. So hat es sich für mich relativ natürlich entwickelt und wurde schnell klar, dass ich nicht in die traditionellen Firmenstrukturen passe.

Dazu muss man sagen, dass die Musikbranche sehr männerlastig ist. Es ist eine männerdominierte Branche, die sich die ganze Zeit auf den Rücken klopfen und Zigarren zusammen rauchen. Man hat schon das Gefühl, es fehlen Vorbilder. Ich konnte mich halt nie identifizieren bei den Unternehmen, bei denen ich gearbeitet habe und es fühlte sich immer sehr weit weg an, dort Karriere zu machen.

Juliane: Also irgendwie nicht so richtig zugehörig?

Kathleen: Nee, es fehlten definitiv Vorbilder, was in unserer Branche immer noch ein Problem ist.

Juliane: Erzähl doch bitte, wie du gestartet hast.

Was hast du in der Zeit hauptberuflich gemacht?
Wie waren deine ersten Schritte mit WildKat PR?

Kathleen: Ich habe bei diesem Plattenlabel gearbeitet und dann wurde ich von jemanden gefunden, der auch eine Öffentlichkeits- oder PR-Firma hat in London für ganz klassische Musik und der suchte noch jemanden. Da habe ich mich dann einstellen lassen. Das war auch meine letzte Angestellten-Station, die ich elf Monate hatte.

Zu der Zeit habe ich angefangen, WildKat PR immer mehr aufzubauen. Es fing an, als ich Anfang 20 war, dass ich WildKat PR einfach mal registriert habe. Da hat mir mein Mann geholfen, das in England zu registrieren und auch eine richtige Firma daraus zu machen mit Steuernummer, etc..

Nine-to-Five-Job in Kombination mit dem Side-Business

Am Anfang habe ich eine Band gemanagt – einfach, weil ich sie besonders mochte und sehr sympathisch fand. Ich dachte mir, ach, da würde ich gerne mal reinschnuppern. Das hat sich ganz gut komplimentiert mit meinem Nine-to-Five-Job, weil mein normaler Job Presse-Assistentin war in dieser PR-Firma. Ich habe mich um Künstler gekümmert und Assistenz und Öffentlichkeitsarbeit für diese Firma gemacht und wusste, dass es mir viel Spaß macht.

Aber ich wollte auch gerne noch in diesen Management-Bereich und mir das ankucken. Dadurch habe ich dann WildKat PR sozusagen parallel angefangen. Dann kam dazu, dass ein Künstler uns ansprach in meinem normalen Job, der einfach kein Geld hatte. Es war klar, dass er nur ein paar Hundert Euro und eigentlich nicht das Budget hat, uns als große Agentur einzustellen, woraufhin ich angeboten habe, das nebenher zu machen. Damit fing mein erster richtiger Kunde an im PR-Bereich. Mein Chef mochte das aber überhaupt nicht und hat mich dann nach elf Monaten entlassen.

Juliane: Okay, du hast eben diese elf Monate gehabt und auch wenn es so ein bisschen unfreiwillig auseinander gegangen ist, hast du es aber als Chance gesehen.

Bist du dann Vollzeit in deine PR-Agentur rein?

Kathleen: Ja, das bin ich. Schon damals wusste ich, dass ich keine Lust mehr hatte, mir einen neuen Job zu suchen und bin dann nach diesen elf Monaten – WildKat PR gab es damals eineinhalb Jahre – in Vollzeit eingestiegen, wobei man dazu sagen muss, dass ich zuhause gearbeitet habe.

Ich hatte zwei Kunden, die mir ungefähr 1.500 netto bezahlt haben im Monat. Ich glaube, mit 24 hat man eine andere Perspektive. Es fiel mir auf jeden Fall einfacher, mit so wenig Geld klar zu kommen und auch mit so einem limitierten Kundenstamm. Ich habe mir damals nicht großartig Gedanken gemacht über die Konsequenzen oder ob das klappt oder nicht. Irgendwie bin ich mit einer gewissen Leichtigkeit rangegangen an die Selbstständigkeit. Das würde ich heutzutage, glaube ich, nicht mehr so leicht machen.

Gedanken – Ja / Kaputt denken – Nein

Juliane: Aber tatsächlich kann das manchmal einfach der Schlüssel sein, dass man sich nicht so viele Gedanken macht. Man kann sich ja auch kaputt denken.

Kathleen: Glaube ich auch, gerade in Deutschland. In England ist es sicherlich einfacher, sich selbstständig zu machen. Ich habe ja erst in England und dann in Deutschland die Firma aufgezogen und ich fand von Anfang an, dass die Engländer es überhaupt nicht schlimm finden, einen 20-Jährigen zu haben, der seine eigene Agentur hat. Du wirst trotzdem eingeladen und kannst pitchen.

Unterstützung bei der Neugründung in Deutschland hätte ich klüger nutzen können

Während es wesentlich schwieriger war, in Deutschland Fuß zu fassen als Selbstständiger. Was ich wahrscheinlich damals nicht so gut gemacht habe: Ich habe überhaupt nicht recherchiert, ob es Fördermittel gibt oder Unterstützung. Es gibt ja mittlerweile schon relativ viele Gründer-Geschichten, die spezifisch für Neugründungen und für Anfänger da sind. Sei es mit Geldern oder Netzwerken. Darüber habe ich mir überhaupt nicht Gedanken gemacht. Das hätte ich klüger ausnutzen können.

Juliane: Aber alles ist ja auch ein Weg. Und tatsächlich macht jeder so seine Erfahrungen und Fehler. Du hast heute eine internationale PR-Agentur und es scheint ja, dass du das, was du tust, sehr gut und vieles richtig machst. Das kannst du ja unmöglich alles allein tun.

Wie sieht die Team-Struktur bei WildKat PR aus?

Kathleen: Wir sind mittlerweile 50 Angestellte durch die Expansion und ich bin die Chefin. Es gibt auch eine zweite Ebene. Das ist meine COO (Chief Operating Officer), die mehr für das Umsetzen und das Praktische da ist und die mit mir das daily business betreut. Die ganzen Strukturen – sei es die Bezahlung, Buchhalter, Steuerberater in verschiedenen Ländern. Dann gibt es eine Director of Europe, die sich nur um das europäische Business kümmert und in London sitzt. Dann wird die Hierarchie-Ebene relativ flach. Wir haben nur Account-Manager – es gibt welche, die sind Senior- oder Junior-Account-Manager. In jedem Büro sitzen im Durchschnitt acht bis zehn, die ihren eigenen Kundenstamm von bis zu zehn Kunden oder Projekten haben, an denen sie gleichzeitig arbeiten.

Dann habe ich eine Assistentin in London und eine in Berlin, die fürs Büromanagement zuständig sind, aber auch mich unterstützen auf Teilzeitbasis und sich quasi eine Vollzeitstelle teilen. Auf die wälze ich schon relativ viel ab. Angefangen von meiner Reiseplanung, weil ich bestimmt zwei Drittel des Monats unterwegs und auf Achse bin. Dadurch machen sie viele meiner praktischen Dinge und auch meiner privaten Sachen. Das ist schon ein bisschen schwierig bei mir, alles im Pensum zu halten und mitzukriegen und nichts zu vergessen.

Pro Büro haben wir ein eigenes Buchhaltungs-Legal-Team, was aber outgesourct wird. Die sind also nicht bei uns im Büro, sondern als Freiberufler auf Stundenbasis engagiert. Und da sitzt pro Land und pro Büro immer ein Buchhalter, ein Steuerberater und ein Anwalt, die wir monatlich heranziehen, wenn wir was brauchen.

Was gehört zu deinem Hauptjob als Managing Director?

Als ich mit WildKat PR anfing habe ich alles selbst gemacht wie z. B. die Pressekampagne, die Kunden betreut oder meine Buchhaltung. Irgendwann habe ich angefangen, immer mehr abzugeben und heute ist mein Hauptjob, neue Kunden zu finden und zu pitchen. Es finden immer wieder Ausschreibungen statt oder wir werden angesprochen. Ich gehe dann dorthin und repräsentiere die Firma, mache den Kunden-Pitch, die Präsentation oder rede mit ihnen über das, was sie brauchen. Das ist zu 80 Prozent der Großteil meines Jobs. Ich verbringe relativ wenig Zeit mit E-Mails und eher mit 1:1-Meetings. Ansonsten investiere ich viel Zeit in Veranstaltungen und sehe unsere bestehenden Kunden. Und das ist bei manchen Kunden wichtiger als bei anderen.

Juliane: Das hört sich sehr spannend an. Vielen Dank für den Einblick in deine Firmenstruktur.
Wie funktioniert das in den verschiedenen Städten in den verschiedenen Zeitzonen?

Wie sorgst du dafür, dass alle Mitarbeiter deine Vision leben, deine Mission mit erfüllen? Wie schafft ihr es, dass alle an einem Strang ziehen?

Kathleen: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, das ist auch das, womit wir im Moment am meisten zu kämpfen haben gerade in dieser Expansionsphase. Wir waren immer ein Team von ca. fünfzehn Leuten. Da konnte man viel einfacher dieses Gemeinsame und die Message teilen, weil ich einfach so einen persönlichen Bezug zu den einzelnen Angestellten hatte und sie mehr gesehen habe.

Währenddessen ich das jetzt immer noch erarbeiten muss und gerade in der Position bin, dass ich es schwierig finde, wie man Allen die Vision vermittelt. Wir haben gerade eine Mitarbeiterin in Los Angeles eingestellt, die seit 15 Jahren im PR-Bereich arbeitet. Sie muss natürlich nicht lernen, wie man den Job macht. Aber was sie schon lernen muss, ist, wie WildKat PR tickt und was uns anders macht oder welche vergangenen Projekte wir gemacht haben. Wir haben ein paar Hilfsmittel wie z. B. ein Handbuch und arbeiten an den internen Visionsstrukturen, die helfen sollen. Ich bin relativ oft präsent und versuche, alle sechs bis acht Wochen in Los Angeles zu sein. In New York bin ich jeden Monat.

Ich bin eben auch viel persönlich da. Ich merke aber auch, jetzt wo die Zeitzonen immer mehr werden, muss ich dann eher abends mit den Staaten telefonieren und mit den Angestellten sprechen. Wir benutzen auch eine App, die Slack heißt. Die ist praktisch, um über Projekte und mit einzelnen Leuten zu reden. Das klappt ganz gut. Aber ja, das ist sicherlich ein Thema, was uns gerade in dieser Expansionszeit sehr beschäftigt.

Juliane: Du hast gerade erzählt, dass es mit deiner Agentur auch in Richtung Asien geht.

Was willst du denn mit deiner Agentur noch erreichen?
Was ist dein großer Traum, deine Vision?

Kathleen: Das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen schlimm an, aber durch dieses Investment habe ich Anteile meiner Firma verkauft. Da ist eigentlich auch ein Exit-Plan mit drin. Die Idee ist, die Firma in den nächsten zwei Jahren groß hochzuziehen mit Profit. Und dann gibt es die Idee, entweder nochmal einen Verkauf anzustreben, also einen Weiterverkauf, um dann nochmal eine große Veränderung zu haben. Ich glaube schon, dass ich gerne noch mal was ganz Neues machen wollen würde. Ich habe das Gefühl, da ist vielleicht noch eine neue Firma oder neue Ideen. Dadurch weiß ich nicht unbedingt, ob meine Vision so an WildKat PR hängt. Ich war witzigerweise nie so emotional nur an meine eigene Firma gebunden.

Wie es zum Investment für WildKat PR kam

Juliane: Auch spannend. Du hast gesagt, dass du viel Repräsentation deiner Agentur machst. Ihr habt dieses Investment bekommen. Wenn Sidepreneure starten sind es oftmals Einzelkämpfer, die nicht im ersten Schritt daran denken, einen Investor zu suchen.
Aber es gibt durchaus kleinere Startups, die ein Side-Business starten und ein Investment anstreben. Wie ist diese Phase, wenn man auf der Suche ist?

Kathleen: Ich habe überhaupt nicht gesucht, sondern ich wurde angesprochen über ein Netzwerk, das “She Said So” heißt. Das sind Frauen in der Musikbranche, die sich vor fünf Jahren zusammengetan und ein Netzwerk aufgebaut haben. Und meine Investorin investiert normalerweise nicht in größere oder etablierte Firmen, sondern größtenteils in Einzelpersonen. Es gibt in England bestimmte steuerliche Vorteile, wenn man in Leute investiert, die gerade in den ersten drei Jahren ihres Businesses sind.

Kathleens Wunsch, die Firma weiterzubringen

Dadurch gibt es bei uns in England relativ viele Leute, die ein Invest bekommen in einem relativ frühen Stadium ihrer Firmenidee. Als ich letztes Jahr angesprochen wurde, habe ich mir darüber überhaupt keine Gedanken gemacht. Ich hatte nur so eine Phase, in der es mich ein bisschen juckte, die Firma weiterzubringen. Dann hatte ich überlegt, ob ich nochmal etwas komplett Anderes machen sollte. Ich hatte damals das Gefühl, natürlich mache ich das seit elf Jahren erfolgreich, aber irgendwie fehlte mir in der Zeit so der Drive und ich wollte gerne einen neuen Input haben.

Auf einer Veranstaltung hatte ich dann meine Investorin über dieses Netzwerk kennengelernt. Ich hatte das eher so interpretiert, dass ich Kunden habe oder Projekte, wo sie finanziell unterstützen könnte und hatte überhaupt nicht daran gedacht, dass sie mich meint. Dann hat sie vorgeschlagen, dass ich einen Businessplan schreibe, was ich mit einem Investment machen und wo die Expansion hingehen würde. Das habe ich gemacht und dann ging es ein wenig hin und her, weil es auch das erste Mal war, dass ich einen Arbeitsvertrag brauchte und u. a. sind andere Strukturen mit reingekommen, die ich vorher nicht hatte. Nach sechs Monaten, acht Monaten Verhandeln waren wir soweit.

Freiheit und Unabhängigkeit vs. Investment

Für mich war es durchaus ein großer Schritt, mir zu überlegen, ob ich wirklich einen Teil der Firma verkaufen will. Zwar haben sie nicht die Mehrheit, sie haben 33 Prozent, aber es kocht halt doch noch jemand Anderes mit. Das merkt man schon im Alltag. Mir war meine Freiheit immer sehr wichtig und dass ich arbeiten kann wie ich will. Ich mag auch nicht Rechenschaft abgeben, warum ich um drei Uhr nachmittags nicht am Schreibtisch sitze.

Es ist mein größter Luxus, den ich in der Selbstständigkeit am meisten genieße, dass ich mir meine Zeit frei einteile und beispielsweise sagen kann “Ich habe zwei Kleinkinder und möchte nachmittags nicht arbeiten und möchte aber gerne abends wieder anfangen”. Und das konnte ich halt auch ohne Bedenken bis vor kurzem. Es ist nicht so, dass meine Investor jeden Moment festhält, aber es ist schon so, dass ich quasi im Arbeitsvertrag relativ strikte Stunden habe. Das war vorher nicht so.

Juliane: Also wäre dein Tipp, dass man es sich wirklich gut überlegen sollte, ob man sich jemand ins Boot holt.

Vor- und Nachteile, wenn Investoren mit an Bord sind

Kathleen: Ja. Die haben uns ja eine knappe Million gegeben und es ist total spannend, das Geld zu haben. Ich glaube vorher habe ich – wie sagt man “von der Hand in den Mund” gelebt oder auch die Firma so aufgezogen. Wenn ein großer Kunde reinkam, habe ich Leute eingestellt oder wenn ich drei Kunden in Spanien hatte, habe ich mir überlegt, ob ich da vielleicht ein Büro aufmachen sollte. Während es jetzt eine ganz andere Form ist, indem man das Geld hat oder auch durch die Investoren die Expertise im Business-Bereich, die ich früher nicht hatte. Ich habe mich weder sonderlich mit Wirtschaft auseinandergesetzt, noch irgendwas im Business-Bereich studiert.

Es ist schon toll, so ein Team an 15 Leuten zu haben, die wahnsinnig viel Erfahrung und Expertise mitbringen und einem bei Budgetierung und Expansion helfen können. Das könnte ich alleine nicht. Mir macht es wahnsinnig viel Spaß, auch mal anders zu denken und eine andere Vision zu haben. Die sind auch viel mehr auf Profit aus und viel mehr darauf bedacht, dass die Zahlen glatt und sauber sind und alles verständlich ist. Während es mir vorher als alleinige Firmenchefin nicht so wichtig war Profit zu machen, solange ich selber Gehalt einbeziehe oder Geld habe.

Die Perspektive ist einfach eine andere

Für mich war es ein guter Zeitpunkt, weil ich schon das Gefühl hatte, dass ich Lust auf Veränderung habe und Lust, nochmal eine neue Challenge anzunehmen. Aber es ist schon so, dass die Freiheit einen kleinen Knick bekommt. Es schränkt mich jetzt nicht sehr viel ein, aber es wird halt mal nachgefragt “Woher kommt diese Ausgabe oder was hat das mit dem Business zu tun?”. Und das muss man vorher intensiv abwägen. Jetzt muss ich halt viel mehr Rechenschaft ablegen, wenn etwas nicht so gut läuft und das macht einen Unterschied.

Juliane: Vielen Dank für deinen Einblick aus dem Blickwinkel einer Unternehmerin, die jetzt eben einen Investor mit an Bord hat.

Kathleen: Total gerne!

Welche Eigenschaften sollte man mitbringen, wenn man ein Unternehmen gründen möchte?

Kathleen: Das, was mir am meisten geholfen hat, ist, dass ich risikobereit bin und dass mir das nicht meinen Schlaf raubt. Ich bin jemand – der auch wenn das Bankkonto leer ist und in zwei Tagen die Gehälter fällig sind – dass mich das nicht sonderlich stresst. Ich glaube auch, dass es für jeden Entrepreneur oder jedem, der sein eigenes Unternehmen hat – auch bei einem Side-Business – wichtig ist, offen zu sein. Das heißt nicht, dass jeder extrovertiert sein muss, aber lernt in seiner Form Netzwerken zu können.

Ich gehe mittlerweile viel an die Uni und halte Vorträge über meine Firma und da merke ich schon, dass es Vielen fehlt. Was man sich aber selbst aneignen kann ist, seine eigenen Vorstellungen zu pitchen. Beispielsweise, dass man es schafft, in wenigen Sekunden über sich selbst und das, was man beruflich oder als Side-Business macht – dass man das gut und schnell zusammenfassen kann. Egal, welchen Charakter man hat. Das ist was, wo ich glaube, dass man es schnell und früh lernen sollte “Wie kann ich schnell und effektiv Netzwerken?”

Netzwerken hat mich sehr weit gebracht

Da war ich damals mit meinen 20 Jahren extrem gut darin. Ich bin zu den Veranstaltungen gegangen und habe vorher Bilder ausgedruckt von den Leuten, die ich treffen wollte. Das ist heutzutage einfacher, aber ich wusste halt genau, dass es wichtig ist, dass ich mit diesen zehn Menschen rede und habe mir das als Aufgabe gesetzt. Sozusagen eine Challenge dergestalt, dass ich die ansprechen wollte, egal was kommt. Und mein Netzwerken hat mich sehr weit gebracht.

Risikobereitschaft und Mut gehören dazu

Ich glaube, man muss schon so eine Risikobereitschaft haben. Angestellt sein hat eine Stabilität, die selbstständig sein einfach nicht bringt. Gerade wenn ich mir überlege “Kinder kriegen” oder “Haus kaufen” – es wird halt doch erschwert in der Selbstständigkeit, zumindest in Deutschland. Wenn man selbstständig ist, kriegt man bei weitem nicht so schnell Unterstützung und die Bank kuckt zweimal, ob sie einem einen Kredit gibt. Es ist einfach alles ein bisschen schwerer und darauf muss man Lust haben, glaube ich.

Juliane: Es ist eine gewisse Risikobereitschaft und auch Mut.

Kathleen: Ja Mut, definitiv.

Welche Menschen und Persönlichkeiten haben dich begleitet in den letzten Jahren, als du dein Business aufgebaut hast?

Kathleen: Das ist eine gute Frage. Ich habe viele Mentoren gehabt hier in England und mittlerweile kommen mehr aus Deutschland. Ich hatte immer so zwei Frauen, die es auch in der Musikbranche geschafft haben. Dadurch haben die mir sehr viele Ratschläge gegeben. Wenn es um Inspirationsquellen geht, höre ich mir viel Podcasts an und lese ganz viel, auch Artikel. Ich versuche mich einfach weiterzuentwickeln und Ideen zu sammeln über Firmenstrukturen. Es gibt einen Newsletter, in dem es u. a. um innovative Firmenstrukturen und Sinneswandel in der Firma geht.

Viel inspirieren mich auch meine Angestellten. Ich habe ganz viele kluge Köpfe in meiner Firma, die alle relativ jung sind, viele Ideen haben, motiviert sind und aus anderen Bereichen kommen. Hauptsache ist, dass man einfach offen bleibt und sich andere Meinungen anhört.

Juliane: Das ist auch das, was ich immer wieder in meinen Interviews höre, dass man sich diese Offenheit behält, lernbereit ist, sich weiterentwickeln möchte und dass man liest, sich fortbildet und inspirieren lässt oder eben Podcasts hört.

Ganz wichtig ist auch…

Kathleen: Nett zu Leuten zu sein oder zu bleiben. Ich sage immer, egal, ob du Praktikant bist oder wenn dich jemand anspricht bei Veranstaltungen – man sollte offen und nett sein zu allen. Ich glaube, dass gerade wenn man erfolgreicher wird, sich manche Menschen ein bisschen zu wichtig und zu ernst nehmen. Ich versuche jedem, wenn Leute mich auf LinkedIn adden oder mit mir reden wollen über Social Media, eine Chance zu geben. Meistens gewinnt man wahnsinnig viel über so einen Austausch.

Juliane: Ja, und man sollte sich tatsächlich auch besinnen, wo man selbst mal stand und wie man angefangen hat.

Hast du denn Bücher, die du anderen Gründern und Gründerinnen oder denjenigen, die schon länger selbstständig sind, empfehlen kannst? Welche Bücher sollte man gelesen haben?

Buch-Empfehlungen und Inspirationen von Kathleen

Kathleen: Wenn ich so darüber nachdenke, habe ich ganz viele Unternehmer-Bücher gelesen. Ich habe eins, bei dem ich auch selbst mitgewirkt habe. Es heißt “The $100 Startup*” und wurde von Chris Guillebeau in den Staaten geschrieben. (Link zur deutschen Ausgabe*) Die deutsche Fassung trägt den Titel: “Start-up! Wie Sie mit weniger als 100 Euro ein Unternehmen auf die Beine stellen und Ihr eigener Chef werden*”.

 

Dieses Buch* ist spannend, weil es darum geht, wie man seine Firma für lau anfängt. Sprich, wie ich möglichst wenig investiere, um schnell mein eigenes Produkt oder einen Service anzubieten. Er hat mich damals ausgesucht, weil ich auch mal Kellnerin war und hatte darüber dann einen Artikel geschrieben so in etwa “Von der Kellnerin zum PR-Gott”, was ich persönlich ein bisschen übertrieben fand.

Das Buch hat mir Inspiration gegeben, weil ich glaube, dass man sich immer zu lange Gedanken macht wie beispielsweise “Oh Gott, ich brauche 5.000 Euro oder ich muss dies und jenes haben”.

Ich denke, dass viele Leute zu lange prokrastinieren über diesen Firmenstart anstatt erstmal klein anzufangen mit einer E-Mail-Adresse oder einer ganz klaren Visitenkarte und einfach nicht sofort die Über-Ambitionen haben sollten. Viele Menschen denken zu lange über Businesspläne nach und da bin ich eher der Macher-Typ.

Der Blick über den Tellerrand

Auto-Biographien über Unternehmer lese ich relativ viele von Gründern bis hin zu Richard Branson* oder Steve Jobs*. Ich sammle schon am meisten Inspiration über Podcasts, Twitter und Newsletter. Es ist wirklich eine bunte Mischung auch aus Bereichen, die überhaupt nichts mit meiner Branche oder meinem Job zu tun haben. Manchmal gibt es eben ganz tolle Stories aus anderen Unternehmensbereichen.

Juliane: Ja, da braucht man auf jeden Fall den Blick über den Tellerrand. Es gibt auch in anderen Bereichen ganz tolle Dinge und auch da kann man sich ja etwas abschauen, für sich abwandeln und umsetzen. Von daher macht es Sinn, nicht nur in seiner eigenen Blase zu bleiben.

Kathleen: Definitiv! Es gibt z. B. “Monocle” – das ist ein Podcast, aber auch ein Magazin, wo sie über Entrepreneure berichten und da bin ich immer ganz verliebt in die einzelnen Stories. Sie haben auch eine Podcast-Serie über Entrepreneure, bei der ich viel Inspiration mitnehme.

Juliane: Dein Appell, dein Tipp jetzt zum Schluss ist wohl Lesen, Podcasts hören, sich inspirieren lassen und dann Loslegen, Machen und nicht zu lange überlegen.

Einfach Machen anstatt zu Grübeln

Kathleen: Ja, Machen als darüber nachdenken. Zumindest ist das mein Ethos: “Dann verändere was!” Die Leute meckern viel und sind irgendwie negativ – das ist in Ordnung, muss man vielleicht manchmal sein in seiner Lebensphase.
Aber es ist dann auch wichtig, das Zepter in die Hand zu nehmen und zu sagen: “Ich habe auch Möglichkeiten, etwas zu verändern”. Das ist wichtig. Und weiterhin freundlich und nett zu anderen zu sein.

Juliane: Das ist ein super Schlusswort! Vielen Dank für die Einblicke in dein Business, in dein Leben und auch in deine Gründungsgeschichte. Ich wünsche dir viel Erfolg bei deiner Expansion und ich bin sehr gespannt, was in den nächsten Jahren passieren wird und wie es mit dir und WildKat PR weitergeht.

Kathleen: Vielen, vielen Dank und auch Danke für deine Zeit.

Juliane: Ja, und Euch liebe Sidepreneure da draußen… ich hoffe, wir konnten euch mit diesem Gespräch wieder inspirieren, euch ein Stück weiter voranbringen, um loszulegen. Oder wenn ihr vielleicht überlegt, euch einen Investor zu suchen, haben wir da ja auch spannende Insights bekommen, was die Motivation sein könnte oder was die Vor- und Nachteile sind eines Investments. Ich denke, es ist für jeden wieder etwas dabei gewesen.

Ich wünsche euch viel Erfolg mit eurem Side-Business und freue mich wie immer auf euer Feedback. Einen guten Start in die neue Woche! Bis bald. Tschüss!

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Foto Kathleen Alder: © Tony Briggs

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